Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526602
schiedensten Schösslinge, wenn auch zum grossen Theile unkraut- 
artig, beeinträchtigend fortgewuchert hätten. Weit gründlicher und 
erfolgreicher entfaltete sich der classicistische Umschwung auf jenem 
Gebiete, dem Carstens bei seinem Studium nach den Meisseldenk- 
mälern des Alterthums wie bei seiner hinsichtlich des Kunstgebietes 
mehr neutralen Beschränkung auf die Zeichnung mindestens ebenso 
nahe stand als der ltIalerei, nemlich im Gebiete der Plastik. Die 
Bildnerei vermochte sich der Classicität weit unmittelbarer l1inzu- 
geben als die Malerei, indem die Vorbilder formell wie gegenständlich 
in absoluter Mustergiltigkeit sich darstellten, während die unmittel- 
bare Benutzung der Reste antiker Malerei, die sich in der Haupt- 
sache auf die mehr decorativen Handwerkerarbeiten von Hercuianum 
und Pompeji, wie der griechischen und italischen Vasenmalerei be- 
schränkten, einen W. Tischbein Wenig gefördert, Carstens aber kaum 
angeregt hatten. War sich doch Winckelmann selbst, der zu den 
Wiedererweckern der classicistischen Plastik gehörte, keineswegs klar 
über das Verhältniss, in Welches sich die Malerei mit dem Alterthum 
zu setzen habe. Ueberdiess waren ein Canova und Flaxmann schon 
vor Garstens in der Plastik dem Geiste des Alterthums so nahe 
gerückt, dass die völlige Abstreifung der Llnmittelbaren Zeittradition 
und die Erreichung des Vorbildes, so weit sie dem 19. Jahrhundert 
überhaupt möglich ist, mit dem nächsten Schritte gelingen musste, 
sobald sich der Künstlergeist fand, der hiezu Ernst, Kraft und Be- 
gnbung genug besass. 
Dieser war aber in einem Dänen erschienen, in welchem sich 
der Höhenpunkt des Classicislnus darstellen sollte, nemlich in Albert 
Tlzomvaldsenr). Die zu Vergötterung gesteigerte Verehrung der Dänen 
für den grossen Meister, liess sie seinen Stammbaum bis in ein 
sagenhaftes Heldengeschlecht (den dänischen König Harald Hildetand 
und den isländischen Häuptling Oluf Paa), ja selbst bis zu einem 
nordischen Gott empor verfolgen, während doch kaum Ort und Zeit 
seiner Geburt mit Bestimmtheit angegeben werden kann. Deutsche 
ß") Nr. Brun, Etwas über Thorwaldsen. Morgenhlatt 1812 Nr. 191. fg. Abbä 
Missirini, Thorwaldsen, tutte le opere con illustr. Roma 1831. J. M. T hiele, Leben 
und Werke des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen. Kopenhagen und 
Leipzig 1882 und 1834. H. C. Alzdersen, B. Thorwaldsen, übers. v. Reuscher. 
Berl. 1845. Thiele; Thorwaldserfs Leben nach nachgelassenen Papieren des 
Künstlers, ÜbC-Tiizrizt von H. Helms. Lpz. 1552.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.