Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526523
Holland nicht mehr in der Landschaftmalerei zu finden, tritt uns 
hier in ernster Wucht entgegen. Sobald man das Auge an die 
Härten und Schroffheiten, die unvermittelten Farbencontraste, die 
tiefen Schatten, den Mangel an Luftperspektive und zusammenstim- 
menden Lasuren gewöhnt hat, ist das Bild von überaus erfreulicher 
Wirkung, wie jedes Werk, das talentvolle Selbständigkeit, redliches 
Streben nach Wahrheit und gedankenvolle Gomposition auch auf 
Kosten bestechenderer manieristischer Eigenschaften verräth. Die 
Natur Italiens zeigte indess dem Künstler noch einen andern Weg, 
welchen er nun, ohne seine der Natur zugewandte Richtung zu ver- 
ändern, vorzugsweise wandelte, nemlich den der historischen Land- 
schaft. Die Caraccisten, Poussin u. A., welche sich won der gedanken- 
leeren Gattungskunst entfernten und sich an Ideen anschlossenc, 
belehrten ihn, wie das natürliche Vorbild lediglich das Material und 
Motiv zu Kunstschölafungen darbieten sollte, während der Künstler 
die Aufgabe habe, aus sich selbst heraus erfinderisch zu schatfenft) 
Diese Art von Landschaft liess nun auch seinem Formtalent mehr 
Spielraum, welches sich in wahrhaft grossartiger Weise entwickelte. 
Composition wie Zeichnung werden von überraschender Schönheit 
und Charakteristik, wenn auch nicht selten von harten und con- 
trastirenden Farben begleitet, die den Genuss wieder wesentlich ver- 
kümmern. Seine markige Formbestimmtheit und Energie, vielmehr 
plastisch als im eigentlichen Sinne malerisch, durch welche er sich 
in den entschiedensten Gegensatz gegen die niederländischen Vor- 
bilder seiner Stuttgarter Schule stellte, machten ihn selbst ungerecht 
gegen diese wie gegen Claude und dessen Nacheiferer, vornehmlich 
den Engländer Turner, dessen Nebelhaftigkeit, wie sie seinen letzteren 
Werken eigen ist, ihn zu den schärfsten Verurtheilungen tieranlasste. 
Die classische Landschaft entsprach aber seinem jeder Fach- 
kunst ahgeneigten Sinne Lnnsomehr, als sie ihm Gelegenheit bot, sie 
durch eine schtverwiriegende Staffage an die Gränze des Historien- 
bildes herüberzuziehen. Sein umfassender Geist gefiel sich nemlich 
in einer wohl kaum mehr vertretbaren Weise in dem Gedanken, die 
Hauptgebiete der Malerei mit einander zu verbinden. wIn Gottes 
Schöpfung gibt es kein Fache, war sein Grundsatz. wAus der Natur, 
dem grossen ABC, mit welchem die Kunst ihre Sprache bildet, kann 
Koch, 
Gedanken 
über 
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324.
        

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