Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526511
dort entsprach jedoch dem Freiheitsideal des deutschen Jünglings, 
Welcher gleichwohl als Zeugniss des Bruches mit der Vergangenheit 
von Strassburg aus seinen abgeschnittenen Haarzopf an das Cura- 
toriuni der Carlsschule geschickt hatte, nicht in der erwarteten WSiSS, 
wesshalb er, zugleich getrieben von dem Drange nach grossartigerer 
Natur, nach Basel übersiedelte und von dort aus in der Schweiz 
landschaftliche Studien machte, bis ihn endlich 1795 die Anerbie- 
tuugen eines Freundes vermochten, mitten im Winter die Alpen zu 
überschreiten und erst ohne Aufenthalt nach Neapel und dann nach 
Rom zu wandern. 
 Seit er Stuttgart verlassen, war die Landschaft das fast aus- 
schliessende Feld seiner Thätigkeit gewesen und ist auch sein epoche- 
machendes geblieben. Hatte er schon als Carlsschülei" die manieristi- 
sehen Fesseln der damaligen Landschaftsmalerei, welche in zuneh- 
mender Verflachung lediglich auf Imitation der Weise der Nieder- 
länder abzielte, dadurch wenigstens zu lockern gesucht, dass er auf 
seinen Ferienreisen nach der Natur skizzirte, so war ihm in der 
Schweiz völlig klar geworden, dass die Wiederbelebung der Land- 
schaftsmalerei die unbedingteste Rückkehr zur Natur und die Ver- 
tiefung in ihre Sprache im Ganzen wie im Detail vor allen Stücken 
erfordere. Die Schweiz hatte zwar schon früher zu einer Rückkehr 
zur Natur gedrängt, jedoch die Schweizer Landschafter waren bei der 
Vedute stehen geblieben (vgl. S. 75). Koch fühlte jedoch bei solch 
gedankenloser Reproduction der Natur, namentlich mit schablonen- 
massiger Behandlung des Details keine Befriedigung, und geisselte 
wiederholt wdas der Natur abgeschriebene Vedutenartige, nicht durch 
die Phantasie Belebte und Erzeugtee. Er konnte es Goethe nicht ver- 
zeihen , den Vedutenmeister Hackert überschätzt und durch sdie 
berühmteste Feder unserer Zeit, in andern Dingen eine gute, hier 
aber nur eine berühmte Federc zu noch grösserem Rufe gebracht 
zu haben. Wie Koch den Anschluss an die Natur verstand, zeigt 
die grosse Alpenlandschaft mit dem Wasserfall des Schmadribaches 
in der Schweiz t), wo sein Talent für Composition ebenso glänzend 
hervortritt, wie seine Hingebting an die zum Theil geradezu mühe- 
volle Wiedergabe des Details. Das Gepräge der Wahrheit und 
der Charakteristik , seit dem Erlöschen der Landschaftsmalerei in 
Pinakothek 
Neue 
in Müm 
rhen. 
131.
        

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