Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526462
13-1 
Bu 
Cap. 
deutschen 
Die 
Classicisten. 
schwistert"), so ruhig geworden, ich finde mich so in Irlarmonie mit 
mir selbst, dass nichts, was nicht auf Störung meiner Liebe Bezug 
hat, mich mehr ausser Fassung zu setzen im Stande wäre. Ich 
kann Sagen, dass ich glücklich bin    Ich habe in meiner glück- 
lichen Stimmung eine Skizze gemacht, die mir auf's Aeusserste 
gelungen ist. Der Gegenstand ist  Apoll unter den Hirten.  
Ich werde ein grosses Gemälde davon machenk Zu Ende des 
Jahres 1808 war es vollendet  und wurde mit mehren andern 
seiner Werke, zwei Landschaften, den Humboldfschen Porträts und 
einem den Kelch segnenden Christus ausgestellt. Zwei Deputationen, 
eine französische und eine italienische, kamen nach der Ausstellung 
zu ihm, um ihm Namens ihrer Landsleute den Preis und Kranz 
zu überreichen. Der Künstler war in der That auf dem Höhepunkte 
seines Ruhmes angelangt, und das herrliche Werk stellte sich unbe- 
dingt als die bedeutendste Schöpfung deutscher Malerei seit mehr 
als zwei Jahrhunderten dar. Der Gott sitzt, den rechten Arm auf 
die Leier gestützt, recitirend auf einem Felsen, tnnringt von Zuhörern 
der verschiedenen Alter und Geschlechter. Steht Apoll selbst den 
classischen Vorbildern vielleicht zu nahe, so verbinden die Lauschen- 
den  den antiken Formenadel mit der vollkommensten Freiheit der 
Erfindung und Anordnung und jener Wahrheit, die nur der innersten 
Empfindung des Dargestellten durch den Künstler entspringen kann. 
Die wundervoll sitzenden Gestalten des Vordergrundes, Jäger, Hirten 
und Frauen verrathen in der lässig naturgemässen, ganz im Hören 
aufgehenden Haltung und Composition auch nicht eine Spur jenes 
gequälten Studiums, welches die Stellungen sofort als pantomimisch 
gemacht erscheinen lasst; übertreffen aber trotz der naiven Conception 
hinsichtlich der Gomposition wie des eurhythmisclien Linienfltlsses die 
analogen Schöpfungen eines Carstens bei weitem. In wonniger Ver- 
sunkenheit, für welche Wohl dein Künstler sein eigenes Glück vor- 
geschwebt, schwelgt das Paar hinter dem Gott, im Gesang wie in 
der Liebe. Mit mehr kritischem Verständniss lauscht der Greis, 
i") 16. August 1806. Haakh. S. 219. 
a") Aus Gotteüs Besitz in den des Königs v. Württemberg und in das Stutt- 
garter Museum (Nr. 237) gelangt. Skizze im Besitz des Grossherzogs von Weimar. 
Umrissstich von G. Bist, Lith. v. G. Schmidt, Stich von Funke im Kupfcrheft 
von Raezynski.
        

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