Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526446
Seite gewinne ich mehr Ideal und weit mehr Gefühl. Ich will mir 
ein Modell kommen lassen, blos um das Ensemble der Figur zu 
zeichnen, die Möglichkeit der Bewegung u. s. w. zu sehen, im 
Uebrigen muss ich die Schönheit nach Beschaffenheit des Charakters, 
den die Figur ausdrücken soll, die Natürlichkeit der Bewegung, die 
keinem Modell möglich ist, und die Grazie derselben ganz selbst 
hinZuthuILK Er schuf also vom Innersten heraus, wie Garstens, 
vielleicht mühsamer, aber wenn auch nicht so geistestief, so doch 
gemüthstiefer als jener. aDen ganzen Tag sitze ich zu Hause über 
meinem neuen Gemälde und suche die inncrste Empfindung meiner 
Seele zu erforschenß Daher auch der Schaffensdrang, wenn es sich 
um grosse Compositionen handelte, die er sich selbst bilden konnte, 
und die Carstens ganz ähnliche Abneigung gegen das Porträt, das 
er gleichwohl mit so grosser Meisterschaft zu behandeln wusste, dass 
ihn Zeitgenossen geradezu POFtPälILIIIQIGF nennen. 
Schon nach dem Gesagten besteht grosse Verwandtschaft der 
künstlerischen Grundsätze zwischen den beiden Meistern, wenn auch 
kein unmittelbarer Zusammenhang nachzuweisen ist. Diese mehr 
unbewusste Verwandtschaft äussert sich aber auch in Schick's 
Hauptwerken. Schon im Sommer 1803 hatte er sein erstes römisches 
Werk vollendet: David vor Saul leierspielendfk) Den Blick begeistert 
nach oben gewendet spielt und singt der herrliche Jüngling vor dem 
lauschenden Hofe. Die NVirkung ist eine sehr verschiedene. Der 
auf dem Thron sitzende Saul ballt finster blickend die Linke und 
lüpft mit der Rechten den Speer, während Jonathan, die Hände lose 
gefaltet, das Entzücken der Freundschaft widerspiegelt. Von den 
übrigen Zuhörern blickt im Hintergründe, wo eine dorische Porticus 
die Aussicht in's Freie öffnet, ein sitzender Greis besorgt nach dem 
Könige zurück, Natürlich zeigt dieses Bild wenigstens in formaler 
Beziehung; die vorausgegangene Schule und Kunsttradition, doch 
drängt sich der neue Geist bereits deutlich durch die akademische 
Formgebung hindurch. Auch verräth es den Einfluss des italienischen 
Cinquecento, namentlich in dem Versuche eine der Frescotechnik der 
vatikanischen Vorbilder sich nähernde Wirkung zu erzielen, welcher 
allerdings auch manche Ungleichheit der Behandlung und theihveise 
Mattheit in Licht- und Schattengebung zur Folge hatte. 
Museum 
in 
Stuttgart.
        

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