Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526438
Mit ähnlichem Entzücken wie die Antike geniesst er die raphaelisclien 
Stanzen, und dass im Vatican der Born sei, aus Anrelchem der Künstler 
schöpfen müsse, dessen ist er sich so bewusst, wie Carstens. Er 
erbietet sich in einem Briefe an Schellingfß), wdiesen in die sixtinische 
Kapelle zu führen, um zu sehen, wie ihn die Majestät des Michel 
Angele mit Ehrfurcht und Staunen erfülle, darauf in die schöne 
YVelt des Raphael, in die Logen und Stanzen, wie von einem 
erhabenen Gebirge herab in ein liebliches blumenreichcs Thalß In 
demselben Briefe klagt er auch ähnlich wie Carstens über den herr- 
schenden Kunstbctrieb, xdass kein Künstler seinem Berufe sein ganzes 
Herz und seine ganze Seele weihen wolle; dass jeder zwar noch 
die beiden grossen Meister studire, aber mehr des Herkoinmens 
halber; dass jeder auch viel Gutes in ihren Bildern finde, hier einen 
Kopf voll Ausdruck, dort eine gut gezeichnete Hand, einen nach- 
ahmensiverthen Fuss, da einen gut colorirten Körper, dort ein gut 
geworfenes Gewand, so dass man von allen sagen könnte, vClHSS sie 
den Wald vor Bitumen nicht sähenß In einem zweiten Briefe an 
Schellingff) eifert er, wie Carstens, gegen die damaligen Akademien, 
als aKunStStällea, wTFGlblIÖLISGPK, wHospitäler der kränkelnden KUHSM, 
Sogar als aHäuSer, wo man die Kunstmumie aufbewahre, welche 
man ja nicht mehr erhalten oder fortpflanzen könne, da sie nicht 
mehr lebe, deren wahres Princip erloschen sei, und deren Leichnam 
man für die lebendige Gestalt nehmek. Auch die einseitige Coloristik 
seiner Zeit tadelt er mit Beziehung auf seinen Lehrer Hetsch mit 
gleicher Bitterkeit wie jener und sogar mit mehr Berechtigung, da 
er selbst auch in der lilaltechnik keinem Zeitgenossen nachsteht, und 
klagt, dass die Schöntiirberei auf Kosten der Wahrheit adoptirt sei. 
Und dass er darunter nicht realistische Wahrheit verstehe, erhellt 
deutlich aus seinen Werken wie aus seinen Wortenzttr) xIch male 
Alles aus meiner Phantasie und befinde mich unendlich besser dabei. 
lvelm 19h nach der Natur male, denke ich nur an das Stück Fleisch, 
das ich eben in diesem Augenblicke nachmale und nicht an den 
Charakter des Menschen, den ich darstellen will. Bei dieser Manier 
geht vielleicht ein "wenig Individualität zu Grunde, auf der anderen 
 
k) 
40k) 
W144i) 
Vom 25. Aug. 1808. bei Haakh a. 
Vom 3. Dez. 1808. Haakh. S. 248. 
Brief an Dannecker vom 15. April 
240. 
1803, 
Haakh.
        

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