Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526350
im Pinsel, sondern in der Zeichnung 1383 Zu bannen schien, dann 
wandelte er seinen Lehrgang lieber an der Hand der grossen Meister, 
die vom Vatican aus auf ihn wirkten, wie in der an solchen Hilfs- 
mitteln weit ärmeren nordischen Hauptstadt. Um aber auch nur 
diesen zu vollenden, und sich seinem Ideale Wenigstens möglichst Zu 
nähern, musste er wuchern mit seiner Zeit; denn er fühlte eS und 
sprach es aus, dass ihm nur noch eine kurze Spanne Lebens ver- 
gönnt war, welche er nicht noch weiter durch die verhasste Brod- 
arbeit, wie das in Lübeck betriebene Porträtzeichnen oder das Lehren 
an einer Kunstschule zersplittern wollte. Denn 
„Zeigen nur wollt' ihn der Welt das Geschick", 
wie auch er der Welt die Bahn nur zeigen sollte, auf welcher die 
wahre Kunst wiedergefunden werden konnte, ohne selbst ein vollen- 
detes Kunstwerk hinstellen zu können, an welches sich der Ruhm 
seines Namens hätte knüpfen können. 
Wenn aber auch seine Bedeutung zu seinen Lebzeiten nicht in 
ihrem ganzen Umfange gewürdigt worden ist, so haben doch gerade 
einige hervorragende Talente unter der Kunstwelt sich ihm in be- 
wundernder Verehrung eng angeschlossen und der kleine Kreis 
erweiterte sich bald nach seinem Hingang beträchtlich. Wie zwei 
seiner Freunde, Fernow und J. Koch, gleichsam die Kunstwissen- 
schalt und die praktische Kunst reprasentirend, sich um die Ehre 
stritten, dass der edle Kämpe in ihren Armen verschieden, so ward 
ihm auch das Glück zu Theil, einen entsprechenden Herold seines 
Wirkens in dem erstgenannten zu finden, dessen musterhafte Bio- 
graphie des Künstlers für die skizzenhafte Unvollendung der Hebr- 
zahl seiner Werke einigermaassen entschädigt und über deren Ent- 
stehung und Intention wichtige Aufklärung gibt. Bei Betrachtung 
dieser aber möge uns Fernow's Wort vor harten Urtheilen wie selbst 
die eines G. Schadow, zurückhalten: wGedanke und Composiiien 
waren der Abdruck seineg inneren Reighthums, die Ausführung 
seiner Erfindungen dagegen war das Bild seiner äussern Armuth 
und Beschränkungß
        

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