Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526346
und säubernden Wetterstrahl in alle Gebiete geschleudert, nur in der 
Malerei war der Geist des greisenhaften Zopfthums geblieben. Hier 
überdiess mit einer Zähigkeit, welche den Regenerator fast mit Noth- 
wendigkeit zum Märtyrer machen musste, um so mehr, als die bahn- 
brechenden Geister auf anderen Gebieten ihm nicht blos nicht unter- 
stützend, sondern geradezu feindlich gegenüber traten. Selbst ein 
Goethe hat ihn erst spät verstehen und schätzen gelernt, und die 
unter der Aegide der beiden grossen Dichter stehenden Horen hatten 
Müllefs unverzeihlicher Nothwehr des durch Garstens Revolution be- 
drohten künstlerischen Z0pftl1ums ihre Spalten geöffnet, Allein selbst 
das Gewicht der Dichterfürsten konnte ihn nicht wankend machen. 
Auch die denkbar ungünstigsten Lebensverhältnisse konnten ihn nicht 
zurückschrecken, Weder das Dornengestrüpp seiner Jugendjahre, wel- 
ches selbst den Anfang seines Weges so lange seinen Augen entzog 
und durch das er sich nicht ohne die schmerzlichsten Erfahrungen 
Bahn brechen musste, nicht die abstossende Haltung der Kopen- 
hagener Akademie und das absprechende Urtheil des hervorragend- 
sten Lehrers derselben, des lilalers Abilgaard, nicht die bittere Ent- 
täuschung, welche er in dem Kunsttreiben seiner Zeit fand, die Noth 
und zahllosen Widerwärtigkeiten, mit Welchen er in Kopenhagen, 
Lübeck und Berlin zu kämpfen hatte, wie die Gebrechlichkeit seines 
Körpers. Auch nicht die Erfahrungen mit der römischen Künstler- 
welt, die bitteren Missverständnisse mit dem Guratorium der berliner 
Akademie, die Nichterfüllung seiner Hoffnung, zu einer monumen- 
talen Arbeit herangezogen zu werden, an welcher er seinen Genius 
anders als in mehr studienartiger Weise hätte entfalten und der Welt 
seine Sendung grossartiger beweisen können. Um dieses Ziel zu er- 
reichen, würde er sogar nach Berlin zurückgekehrt sein, wie aus 
seinem Schreiben an v. Heinitz vom 31. Januar 1795 hervorgeht, 
in welchem er die Hoffnung ausspricht, dass der König ihn 1nit der 
Ausmalung eines grösseren Raumes betrauen werde. Die schnöde 
und missverständliche Vernichtung dieser Hoffnung, wie sie das Ant- 
wortschreiben des Ministers enthielt, mag viel zu dem weiteren Ver- 
halten des Künstlers und zu dem Entschlüsse beigetragen haben, 
Rom nicht mehr zu verlassen. War er aber darauf angewiesen, ohne 
Aussicht auf monumentale Ausführung: seine Compositionen fast aus- 
schliessend als Sttidienblätter für seine Mappe zu skizziren, in welches 
Gebiet ihn übrigens auch das Bewusstsein, dass seine Kraft nicht
        

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