Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526301
ihm nie in den Sinn gekommen, sich für eine Pension, die man ihm 
für einige Jahre schenkte, auf Zeitlebens zum Leibeigenen einer Aka- 
demie zu verdingen; er könne sich nur in Rom, unter den besten 
Kunstwerken, die in dcr Welt sind, ausbilden und werde nach seinen 
Kräften fortfahren, sich mit seinen Arbeiten vor der Welt zu recht- 
fertigen. Lasse er doch alle dortigen Vortheile fahren und ziehe 
ihnen Arniuth, ungewisse Zukunft und vielleicht ein kränkliches, hilf- 
loses Alter bei seinem schon jetzt schwächlichen Körper vor, um 
seine Pflicht und seinen Beruf zur Kunst zu erfüllen. Ihm seien 
seine Fähigkeiten von Gott anvertraut und er müsse darüber ein 
gewissenhafter Haushalter sein, damit er nicht bei der einstigen 
Rechnungsablage sagen dürfe: wHerr, ich habe das Pfund, so du 
mir anvertraut, in Berlin vergrabenß 
Inzwischen hatte Carstens in angestrengtester Thütigkeit fort- 
geschaffen und theils auf Verlangen Wiederholungen in Oel, Aquarell 
und Kreide ausgeführt, theils neue Compositionen entwickelt. Von 
den letzteren sind ausser den bereits besprochenen Werken vEinschif- 
fung des Nlegapenthesa und ))NElCht(( hervorzuheben: wder Kampf 
der Titanen und Göttera, xdas Traumorakel des Amphiaraosx, ßOedi- 
pus in Kolonosx, und vHorner dem Volke seine Gesänge VOÜTEIQGHÜK. 
xBttßClTllS den Amor tränkendx und sFingaPs Kampf mit dem Geiste 
von Lodae, von welchen beiden man früher die Originalausftihrtmgen 
in Oelik] zu besitzen glaubte, haben ihre vorzugsweise darauf ge- 
gründete Bedeutung dadurch wieder verloren, dass ihre Aechtheit 
zwar nicht widerlegt, aber zweifelhaft gemacht worden ist. Das letz- 
tere Werk zeigt überdiess, dass es auch ihm nicht ungestraft blieb, 
wenn er sich von der classischen reinen oder heroisirtcn Mensch- 
lichkeit in das Reich ungriechischer und, weil nicht von den antiken 
Meistern durchgebildet, ungeschlachter Geisterwelt verstieg, wie auch, 
wenn er sich auf den Boden der Romantik wagte und die classische 
Nacktheit mit mittelalterlichem Rüstzeug und Gostüm vertauschte. 
Wie sehr er sich namentlich hierin auf einem seiner Natur nicht 
 In der Gemäldegallerie von Christiansburg zu Kopenhagen N0. 533 11.534. 
Der Garten des ersteren belindet sich im Museum zu Weimar. Milller, Taf. 24. 
Das dem Gemälde zu Grunde liegende Aquarell des letzteren im Besitze der Ge- 
brüder Ekrnan auf Gubbero bei Gothenburg. Umrissstich nach einer Fernow'- 
sehen Durchzeichnung bei Müller, Taf. 28.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.