Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526297
Formenschönheit erlauben es sogar, dieses Werk mit den höchsten 
Kunstschöpfungen zusammenzuhalten. Das eingehendsie Studium 
Raphaels leuchtet uns hier ebenso unverkennbar entgegen, wie 
sonst zumeist das Michel Angelds, und doch ist nichts entlehnt, 
als der Geist der Auffassung, und alles erscheint als freie und 
neue Erfindung. 
In dem Gefühl seiner Fortschritte und zugleich in dem Bewusst- 
sein, dass hiezu die römische Luft und die Anregung, die hier Alter- 
thum und Cinquecento, ja selbst das Leben darboten, unerlässlich 
und dass die Rückkehr nach dem Norden dem Künstler so viel sein 
würde, als ein wbis hieher und nicht weitere, entschloss sich nun 
Carstens das wieder einlenkende Entgegenkommen des Curatoriunis 
der berliner Akademie, welches durch den Erfolg der Ausstellung 
und durch die hierüber nach Deutschland gelangten Berichte von 
dem Misstrauen gegen seine Tliätigkeit und Tüchtigkeit geheilt zu 
sein schien, damit zu beantworten, dass er zwar der Aufforderung, 
seine Werke auch zur berliner Ausstellung zu senden, mit drei 
Stücken entsprach, zugleich aber auch bestimmt erklärte , da ihm 
doch keine Aussicht auf weitere Verlängerung seines Urlaubs mit 
Stipendium eröffnet sei, tiberhaupt nicht mehr nach Berlin zurück- 
kehren, sondern in Rom bleiben zu wollen. Damit war nun aller- 
-dings den Absichten des Curatoritnns in einer Weise entgegenge- 
treten, die dem Künstler ernstliche Verlegenheiten bereiten konnte. 
Der vom Standpunkte des nStaatshaushalters der von Sr. Majestät 
ihm blos zum Wohl des Staats anvertrauten Geldem aus mit Recht 
entrüstete Minister v. Heinitz warf ihm daher nicht blos den unver- 
zeihlichsten Undank vor, sondern forderte, da Carstens die Verbind- 
lichkeiten, unter welchen ihm in den drei Jahren seines römischen 
Aufenthalts Professor-Gehalt und Reisezulagen bezahlt worden waren, 
nicht erfüllt habe, die indebite genossene Summe zurück. Diese 
Rückforderung erwies sich nun glücklicherweise allerdings als leere 
Drohung, welche auch der Minister auf die würdige und eingehende 
Erwiderung des Künstlers hin wieder fallen liess, indem er mit einem 
gemässigten Erlass im März 1795 die ganze Verbindung 51131313911- 
Die Erklärung, welche Garstens am Schlüsse seines Schreibens über 
seine Stellung in naiver, aber wahrhaft classischer Weise gegeben 
hatte, konnte nicht ohne Eindruck geblieben sein: xNlClIt der ber- 
liner Akademie, sondern der Menschheit gehöre er an, und es sei
        

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