Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526280
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B1 
IV 
Morgen. 
Carstens" 
Entwicklungsgang und Blission. 
ist, gross und innig nachzufühlen, auszufühlen und lebendig darzu- 
stellenß Dagegen war unter der Aegide der beiden Dichterfürsten 
1797 in den wHorenc ein Aufsatz von dem Maler Friedr. Müller 
erschienen, welcher als der Vertreter der herkömmlichen Manier die 
Ausstellung und Carstens selbst möglichst herabsetzte. Kein Wunder, 
dass die Meinungen getheilt, ja sogar vorwiegend dem Künstler 
ungünstig blieben, bis die allgemeine Kenntnissnahme von den 
Schöpfungen selbst jenen Umschlag zu seinen Gunsten bewirkte, 
den wir auch bei Goethet) finden. Diesen Umschlag hatte freilich 
Carstens nicht mehr erlebt, sondern inzwischen einen Ausgang 
genommen, der elend genannt werden müsste, wenn ihn nicht das 
Bewusstsein seines Werthes und die Verehrung einiger treuer Freunde, 
welche ihn hoffen lassen konnten, dass seine Mühen nicht ohne 
Nachfolge und der von ihm gebahnte Weg weiterhin nicht unbe- 
treten bleiben würde, über alle Widerwartigkeiten erhoben und selbst 
mit dem Tode versöhnt hätten. 
Der Künstler hatte noch während. der Ausstellung ein Werk 
geschaffen, das vielleicht die vollendetste unter seinen Schöpfungen 
zu nennen ist: wdie Nacht mit ihren Kindernc (nach Hesiotlytf) Die 
Composition, zu welcher der Künstler durch eine Stelle bei Pausanias 
in dessen Beschreibung des Kypseloskastens (V. 18. 1.) entfernt 
angeregt war, stellt den Schlaf und Tod im Schoosse der ihren 
Mantel über sie breitenden, leise nach vorn geneigt sitzenden Nacht 
dar. Neben dieser sitzt Nemesis, den Blick ab- und in die Ferne 
gewandt, während im Hintergründe die verhüllte Schicksalsgöttin 
das Buch hält, aus welchem die Parzen singen. Am Gesammtauf- 
Dilü wäre vielleicht das architektonische Gebrechen zu tadeln, dass 
die Gestalt der Nemesis an der gegenüberliegenden Seite keine Ent- 
sprechung findet, und dass auch sonst diese Seite nicht im vollen 
Gleichgewicht steht; die Hauptfiguren aber gehören wohl zu dem 
schönsten, was die neuere Kunst überhaupt geschaffen hat. Charak- 
teristik, Wärme der Empfindung, Gehalt, Bedeutung der Motive und 
i) Winckelmann und sein Jahrhundert. Tüh. S. 325. ff. 
H) Museum zu Weimar, woselbst auch schöne Gewandstudien hiezu. Müller, 
Taf. 22. Das danach für den Bar. v. Knuth aus Dänemark hergestellte Oelge- 
mälde ist verschollen. Zwei sorgfältige Aquarßllcßilien VOYI J- Koch (im ThOIWYR-MHS. 
zu Kopenhagen und in der MarschalFschen Samml. z. Carlsruhe), Stich von Thäter 
1839) im Kupferutlas zur Raczynskfschen Geschichte der neuem deutschen Kunst.
        

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