Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526271
Aufnahme 
Verschiedene 
der 
Ausstellung 
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wir bei den Alten bewundern, sollten aber, wenn jetzt geschaffen, 
nicht Tollheit genannt werden.  
Diese und noch einige andere Compositionen bildeten die epoche- 
machende Ausstellung, welche in den Frühlingsmonaten des Jahres 
1795 das kunstsinnige Publikum nach Carstens Atelier in der Casa 
Batoni zog. Die Italiener und Engländer, darunter vornehmlich die 
Künstler, verhehlten ihre Anerkennung nicht und bewunderten die 
Stylvertvandtschaft mit den Meistern des Cinquecento, wie die gross- 
artige Selbständigkeit und Unberührtheit der eben herrschenden 
Manier gegenüber. Die' französischen und meisten deutschen Künstler 
dagegen suchten sich für die ihnen unbequeme Erscheinung zu 
rächen durch kleinliches Tadeln des Einzelnen, wie durch Herab- 
setzung des Künstlers zum Skizzirer, der doch nicht im Stande wäre, 
ein Bild in Oel zu malen. Freilich hatte diesen Carstens selbst zu 
einer Beurtheilung seiner Maltechnik klüglich keine Gelegenheit gegeben, 
indem er kein einziges Oelgemälde ausstellte, wohl Weil er seiner 
technischen Schwäche sich bewusst war, und um, wie er selbst 
äusserte, wder Menge von Pinselern, die das ganze Verdienst der 
Kunst nicht im Colorit (denn das wäre etwas reelles), sondern im 
mechanischen Handwerk sehen, und die dann blos dieses und nichts 
anderes an seinen Arbeiten würden beurtheilt haben, nicht in die 
Quer zu kommenß Nur einige laegabte deutsche Maler gingen von 
der herrschenden französischen Weise zu seinen Principien über, in 
welchen sie auch ihre längst verschollenen Collegen überflügelt und 
eine dauernde Stelle in der Geschichte der Kunst gefunden haben. 
Ebenso verschieden, wie das Urtheil der deutschen Künstler- 
schaft in Rom, war auch das der deutschen Literatur und in Deutsch- 
land überhaupt. Fernow hatte eine natürlich anerkennende Bespre- 
chung der Ausstellung im deutschen Merkur (1795 N11 6-) Publlcirt- 
Wahrhaft begeistert schildert auch der Architekt Genelli den Eindruck, 
den einige von der römischen Ausstellung weg nach Berlin gelangte 
Werke auf ihn gemacht haben. Er rühmt xdie Ruhe der Scenen, 
die individuelle, im Stillen thätige Seelenkraft, überall, im Gott, im 
Helden wie in der Volkskarrikatur charakteristisch wirkend, wobei 
Jeder so unbekümmert um sich, so ganz einig mit sich selbst er- 
scheine, dass man fühle, diess seien wahre Menschen  .  Du bist 
dazu geboren, schliesst Genelli, das innige Grossgefühl, das Homer 
seinen Göttern und Helden gibt, das überhaupt dem Alterthum eigen
        

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