Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526268
dessen auch hier die Composition, die Gestalt des Jason und beson- 
ders die beiden Knaben in ihrer ungezwungen classischen und von 
aller Stisslichkeit freien Motivirung: 
Von den beiden Darstellungen aus der Ilias, die xgFlGClIiSClIGH Hel- 
den den Achill vergeblich zu beschwichtigen suchende, und wPriamus 
die Leiche Hektors von Achill erbittendafit) ist namentlich die letztere 
durch Schönheit der Zeichnung und Tiefe des Ausdrucks hervor- 
ragend. Die aninuthvolle Hintergrundgruppe, die von Hermes ei11- 
geführte Polyxena darstellend, welche der Künstler nach Philostrat 
hinzugefügt hat, beweist, dass es demselben keineswegs unver- 
gönnt war, auch zartere Saiten anzuschlagen und das wohllautendste 
Idyll neben den energisch epischen Charakter des Uebrigen zu stellen. 
Auch Achill zeigt hier den Herakles-Typus völlig überwunden und 
tritt uns in Wahrhaft classischem Ebenmaass jungmännlicher Schön- 
heit entgegen. 
Nicht minder reizvoll, formschön und empfunden erscheint das 
Blatt wGanylned von dem Adler entftihrtcßiö) Dass aber Carstens 
auf die titanisch markige Art, wie sie vorher seinen Styl beherrschte 
und durch Michel Angelo ihre weitere Nahrung empfing, nicht ver- 
zichtete, wenn er seinen Stoff dem itorolympischen Mythos entlehnte, 
zeigt besonders die aGeburt des  in welcher er vielfach 
seinen Meister in der Sixtina berührte. Aehnlicher Art war wohl 
auch die verschollene Temperamalerei xRatun und Zelte nach Kant, 
welche seit ihrem Erscheinen bis jetzt ihres aprioristischen Gegen- 
stands Wegen über Gebühr verunglimpft werden ist. Wenn z. B. 
Goethe eine solche Stoffwahl die tollste Erscheinung nennt, die vor 
dem jüngsten Tage der Kunst vorhergehen kann, und auch der 
mildere Schiller die Notiz mit dem Xenion beantwortete: 
„Zeit und Baum hat man wirklich gemalt, es steht zu erwarten, 
Dass man mit ähnlichem Glück nächstens die Tugend uns tanzt," 
so hat H. Riegel dagegen mit Recht geltend gemacht, dass Carstens 
alle Bedenken überwunden haben Würde, wenn er die beiden Figuren 
Uranos und Kronos die Personificationen des unendlichen Himmels- 
raumes und der ewigen Zeit genannt hätte. Personificationen, die 
 Im Museum zu Weimar. Müller, Tal". 19 u. 20. 
m") Ebenda. Blüller, "Paf. 15. Das für Lord Bristol darnach 
Bild ist verschollen. 
i") Im Museum zu Weimar. Müller, Taf. 21- 
in Oel 
ausgeführte
        

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