Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526234
der Wahl und Anordnung seiner Stoffe wehte der classische Geist, 
den er mit der römischen Luft einsog, immer deutlicher aus seinen 
Schöpfungen. Dass unter solchen Umständen Carstens auch sein Ver- 
hältniss zu Berlin beinahe vergass, ist für den, der das Gebahren 
einer genialen Natur zu beobachten Gelegenheit gefunden, leicht 
begreiflich. Unter gewöhnlichen Verhältnissen könnte diess tadelns- 
werth erscheinen, bei ihm nur entschuldbar. Er hatte seine innere 
Mission, deren er sich tief bewusst war, zu erfüllen und zu docu- 
mentiren, neben welcher Aufgabe er die zivar wohlmeinenden aber 
weit beschränkteren Absichten seiner Gönner leicht aus dem Auge 
verlieren konnte; und wenn er diess, gedrängt von den akademischen 
Behörden, etwas derb andeutete und z. B. fallen liess, dass es 
sum blos seinen eingeschränkten Posten bei der Akademie zu 
versehen, seiner Ausbildung nicht weiter bedurft hättee, so 
musste diess zu Missverständnissen, Einschreitung und endlich zum 
Bruche führen. 
Kurz bevor die Pension von Berlin aus erlosch, hatte Garstens, 
den man in Berlin des unwürdigen Genusses derselben, der Gross- 
sprecherei bei ungenügender Production u. s. w. beschuldigte, so 
viel geschaffen, dass er eine öffentliche Ausstellung seiner Werke 
veranstalten konnte, zu welcher er das Publikum in sein Atelier lud. 
Die Eröffnung dieser Ausstellung im April 1795 kann als der Tag 
der Taufe der neuen deutschen Kunst bezeichnet werden. Die Ueber- 
fahrt des Megapenthes, eines üppigen Sybariten in die Unterwelt nach 
Lucian, welcher sich bald die vorausgehende Scene der Zurück- 
bringung des entlaufenen Megapenthes zum Charonsnachen als Gegen- 
stück anschloss, die Parzen, das Gastmahl des Plato, die Argonauten, 
die Helden im Zelt des Achill, Achill und Priamus, und die Geburt 
des Lichtes können als die ersten Zeugen der Wiedergeburt der 
classischen Kunst gelten und haben wie alle bahnbrechenden Werke 
ihren Werth bis auf den heutigen Tag noch nicht verloren. 
Welcher Reichthum, welche Wahrheit und welche Goncentration 
tritt uns zunächst in den Megapenthesbildern entgegen. lt) Da harrt 
das verhängnissvolle Schiff auf den widerstrebenden Jüngling, den 
der Cyniker Cyniskus unter vergeblichem Zureden, der hämische 
Schuster Micyll mit derber Gewalt heranzerren. Am Ufer kauert 
Im Museum 
ZU 
Weimar. 
Müller, 
Taf. 
und
        

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