Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526226
loses Machwerk, Pinselei, geschminktes Colorit und prunkende Arm- 
seligkeit erkannte. Unbeugsam in seiner Vorstellung der höheren 
Aufgabe der Kunst, wie er war, musste auch seine Verdummung 
des vorgefundenen Treibens rücksichtslos sein, die endlich in dem 
drastischen Verdict gipfelte, dass er das Ganze als einen ekelhaften 
Haufen unverdauten Quarks bezeichnete. 
Wenn er nun auch in seiner ersten, schon in Berlin versuchtent) 
römischen Gompostion, den Besuch der Argonauten beim Kentauren 
Chiron darstellend, zeigte, dass sein Schaffen mit seinen ausgespro- 
chenen Anschauungen übereinstimmend und sein energisches Wort 
keine leere Prahlerei, sondern durch sein künstlerisches Vermögen 
berechtigt sei, so sah er sich doch in gesellschaftlicher Beziehung 
durch seine Rücksichtslosigkeit auch in Rom bald so vereinsamt, 
wie in Kopenhagen, Lübeck und Berlin, und einige Jahre vergingen, 
ohne dass er namhaften anderen Verkehr gepflogen hätte, als mit 
den grossen Geistern der Antike und des 16. Jahrhunderts im Vati- 
can. War er schon von den Werken des G. Romano so wunder- 
bar angeregt worden, dass die Nachwirkung der mantuanischen 
Fresken selbst noch in seinen letzten Werken durchkliilgt, so ward 
er jetzt von den raphaelischen Fresken entzückt. Michel Angelds 
Riesengeist dagegen wirkte anfangs auf ihn niederschlagend, dann 
aber in stetiger Steigerung spannend. Wenn er daher auch selbst 
dem Raphael den Vorzug zu geben erklärt, so entfiel ihm doch nicht 
minder die Aeusserung, dass er unmittelbar nach dem Studium der 
Sixtina nicht in die Stanzen zu Raphael gehen könne, ohne eine 
gewisse Verstimmung zu fühlen, und die Durchsicht der Carstensschen 
Werke möchte sogar geneigt machen, den Einfluss Buonarottils auf 
ihn als grösser zu bezeichnen als den des Lmsterblichen Urbinaten. 
Nirgend mehr als vor dem jüngsten Gericht in der Sixtina konnte 
er, der schon zu Berlin Aehnliches gewagt, fühlen, was und wie viel 
er von dem Meister zu lernenhabe. 
Die Fortschritte, die mittlerweile Carstens in seinen eigenen 
Compositionen machte, waren überraschend. Die Härten, Form- 
unschönheiten und Zeichenfehler verschwanden mehr und mehr; der 
Inhalt seiner Werke vertiefte sich und bei aller Selbständigkeit in 
 In der 
Ausgabe. 
Sammlung 
der 
Kunstakademie 
ZU 
Berlin. 
Müller, 
Taf. 
der
        

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