Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526211
Erfolge 
Berlin. 
Uebersiedlung 
nach 
Rom. 
109 
damals (1789) eben von Rom zurückkamen und Cladüfßh den M611 
Italien sehnsüchtigen Künstler vorzugsweise anzogen. Der Architekt 
Joh. Christ. Genelli namentlich kam ihm in jeder Weise fördernd 
entgegen, auch durch Vermittlung des ersten bedeutenderen Auftrags, 
der Ausmalung eines Saales des von dem Minister von Heimtz be- 
wohnten Dorvilleschen Hauses t), wie auch wahrscheinlich der unge- 
fähr gleichzeitigen grau in grau ausgeführten Deckenmalereien im 
Schloss, worunter Orpheus in der Unterwelt und der Parnass, Welche 
letztere noch erhalten sind. Der Erfolg dieser beiden Arbeiten und 
namentlich der leider verlernen ersteren brachte ihn endlich an das 
gewünschte Ziel, nemlich in die Lage, als Pensionär zu Weiterer Aus- 
bildung nach Rom gehen zu können (1792). Er mochte geglaubt 
haben, dort nicht blos seine Ideale in den Werken der antiken Meister 
wie des Cinquecento, sondern auch eine anregende Genossenschaft von 
gleichesanstrebenden jüngeren Künstlern zu finden. Allein er täuschte 
sich in letzterer Beziehung. Dort herrschte der französische Apparat 
von Thonmodellen, Wachsfiguren, Gliedermännern, Beleuchtungs- und 
Puppenkasten. Ihm, der die Hauptsache aller wahren Kunst in der 
Erfindung sah, musste es unerträglich erscheinen, dass jene Apparate 
das Erfinden auf ein blos mechanisches Puppenspiel zurückgebracht, 
nWO man ganze Compositionen aus kleinen Wachs- und Thoniigürchen 
in einem Guckkasten zusammenbaut, um ein kolossales Bild darnach 
zu malenc. Es war seinen Anschauungen völlig widersprechend, dass 
man in Rom statt die Werke eines Raphael und Michel Angelo zu 
studiren, auf das Modellzeichnen den meisten Werth legte und doch 
in dem Akt immer nur eine typische Figur, zu der man den Leisten 
im Kopfe habe, wiedergebe, so dass in den darnach ausgeführten 
Werken bald Antike bald gemeine Modellnatur in widriger Mischung, 
zusammengesucht in einzelnen Gliedern und Gewandfetzen und HOCh 
empfindlicher durch tibertriebenen und nichtssagenden Ausdruck, 
theatralische Anordnung und unnatürlich gespreiztes Handeln ent- 
gegentrat. Für die eitle seelenlose Leere aber konnte ihn die Technik, 
in welcher ihm wohl viele überlegen waren, am- Wenigsten ent" 
schädigen, indem er darin selbst bis zur Ungerechtigkeit nur geist- 
 
 Die aus Philostrat entlehnten Gemälde, auf Papiertapete in Leimfarben 
gemalt, sind vor einigen Jahren bei Erneuerung des Saales (in dem jetzt Blücher'- 
schen Hause am Pariserplatz) Zerstört worden.
        

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