Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526175
zulänglichkeit nicht entgehen konnte, entmuthigte ihn nicht, wenn 
sie ihn auch tief schmerzte; sie hatte sogar den Vürthßil, dass der 
Erbprinz Friedrich von dem Bilde erfuhr, es sich zeigen liess und es 
unter ermuthigenden Worten mit einem Geschenk von 100 Thalern 
behielt. Andererseits aber reizte das Gefühl seiner technischen Un- 
vollkommenheit den jungen Mann zu dem Bestreben, in dieser Be- 
ziehung den Professor Abilgaard, der ein tüchtiger Golorist war, bei 
seiner Arbeit zu belauschen, ohne dessen Ansinnen, als sein Schüler 
einzutreten, zu entsprechen, was ihm AbilgaardsUmvillen in dem 
Grade zuzog, dass er ihm rundweg erklärte, in der Kunst sei keine 
Hoffnung für ihn, indem das Componiren allein zu nichts führe und 
er zum Erlernen des Malens, Welches doch die Hauptsache sei, be- 
reits zu alt wäre. 
Damals hatte Carstens auf Andringen des Prof. Stanley, dem 
seine Composition sKlage der Götter um Balder's TOde besonders 
gefallen, sich entschlossen, die Akademie freilich mehr des Scheines 
halber zu besuchen, allein sein Verbleiben dort, welches ohnehin 
ziemlich unfruchtbar war, sollte nicht von langer Dauer sein, obgleich 
er durch die Composition sOdysseus mit dem leeren Windschlauch 
von Aeolus unwirsch zurückgewiesene, deren wilde Grösse, höchst be- 
fremdlich unter der allerwärts herrschenden glatten und süsslichen 
Virtuosität, einsichtsvollc Beurtheiler an Michel Angelo gemahnte, 
nicht unbedeutendes Aufsehen erregte. Denn der eingangsberührte 
Vorfall verschloss ihm die Thüren der Akademie und wies ihn wieder 
ganz auf sich selbst und seine damals aller Welt wunderlich er- 
scheinenden Grundsätze. Schon seit einiger Zeit aber war sein kleines 
elterliches Erbe aufgezehrt und Carstens sah sich genöthigt, sich dem 
Porträtzeichnen zuzuwenden, nicht blos, um das tägliche Brod zu 
verdienen, sondern namentlich, um sich die nöthigen Mittel zu einer 
Studienreise nach Italien zu erwerben. Seine Sehnsucht nach dem 
gelobten Lande der Kunst hatte ihn hauptsächlich bewogen, sich 
zum Eintritt in die Akademie, welche Stipendien zu solchen Studien- 
reisen zu verleihen pflegte, zu bequemen. Jetzt, da er gefunden, 
dass er zur Erreichung des lange gehegten Wunsches auf alle fremde 
Unterstützung verzichten musste, arbeitete er mit verdoppelter Kraft, 
um ohne dieselbe zum Ziele zu gelangen. Seine sauber ausgeführten 
Röthelporträts fanden viele Liebhaber, wurden gut bezahlt und der 
Reisefonds wuchs bald auf einige hundert Thaler. Die Compositionen
        

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