Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526121
den trübsten Verhältnissen und Erfahrungen zurückgelegt hatte, und 
überdiess den gethanen Schritt selbst so wenig bereute, dass er noch 
im folgenden Jahre das versöhnlich entgegenkommende Einlenken 
der Akademie trotz drückender Aussichten in die Zukunft beharrlich 
zurückwies. , 
Der Mann, der damit zugleich dcm Perückenthum der Akademie, 
wie es damals und noch einige Jahrzehnte darüber hinaus in Mode 
und von Raf. Ant. Mengs und seiner eklektischen Richtung keines- 
wegs gereinigt, sondernin Dünkel und einseitigem inhaltlosem Stre- 
ben nach eitlem Machwerk eher noch genährt worden war, den 
Fehdehandschuh hinwarf, und begann, ausserhalb jener Treibhäuser 
künstlerischen Virtuosenthums einen neuen Weg zu bahnen, Welcher 
zur Würde und Wahrheit, zu Inhalt und Bedeutung, zu frischer 
Originalität und Lebenskraft führen und zur Wiedereroberung dieser 
seit mehr als einem Jahrhundert verlernen höchsten Güter der Kunst 
verhelfen sollte, der Mann, Welcher zu alledem Wenigstens das Sig- 
nal gab, und wenn diess auch noch einige Jahre kein Echo hervor- 
rief, sein Ziel, seitdem die Thüren der Kopenhagener Akademie sich 
hinter ihm schlossen, mit der Festigkeit der Ueberzeugung selbst 
vernichtenden Hindernissen gegenüber verfolgte, War Jacob Asmus 
Oarstensf). 
Im Dorfe Sanct Jürgen bei Schleswig als der älteste Sohn eines 
Müllers am 10. Mai 1'754 geboren, verdankte er wohl seiner Mutter 
das Erbe und den ersten Impuls eines Talentes, das sich zwar früh 
äussertc, aber unter seinen Verhältnissen nur wenig Nahrung finden 
konnte. Nachdem er in der Heimat Wenig mehr gesehen als die ver- 
muthlich höchst dilettantischen Blumenstücke aus den Jugendjahren 
seiner für ihren Stand und ihr Geschlecht sehr sorgfältig erzogenen 
Mutter, mochte es ihm nicht unerwünscht sein, von der schlichten 
Dorfschule weg in die nahe Stadtschule von Schleswig versetzt zu 
werden, wo freilich Elementargegenstände, wie in den letzteren Jahren 
Latein und Griechisch ziemlich spurlos an ihm vorübergingen, wäh- 
 
4') C. L. Femow, Carstens' Leben und Werke 1806. Neu herausgegeben und 
ergänzt von K. Riegel. Hannover 1867. F. v. Alten, der Maler A. J. Garstens. 
Schleswig 1865 mit Verzeichniss seiner Werke. R. Schöne: J. A- Carstens 
(Archiv für die zeichnenden Künste 1866).  Carstens" Werke, gest. von 
W. Müller, Text von Schuclzardt, Leipzig 1849. 2. Ausgabe. Text von K. Riegel. 
Leipzig 1869. Photographische Nachbildungen. Leipzig. Hinrichs. 1868.
        

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