Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526048
aus der Antike zu entnehmen sei, war nunmehr keineswegs Produkt 
der künstlerischen Erwägungen eines Einzelnen, sondern lag ganz 
und gar in der Gesammtanschatiung Aller, und hatte sich auch in 
der deutschen Kunst aller übrigen Gebiete, der Poesie sowohl wie 
der Malerei und Plastik früher als in der Architektur (für F rank- 
reich bildet Soufflofs S. Genevieve eine Ausnahme) geltend gemacht. 
Aber nicht blos zögernd, sondern auch entschieden unlaeholfener 
als in den anderen Künsten kam das Princip hier zum Ausdruck, 
indem man allzusehr bemüht war, den angestrebten Gegensatz recht. 
deutlich zu machen. Um sich vor der Klippe barocken Reichthums 
zu bewahren, wurde man dürftig, und um der spielenden Zierlichkeit. 
des Rococo zu entgehen, massig und sclnvcr. Der Barockstyl hatte 
sich vorwiegend korinthischcr wie ionischer Architekturtheile bedient; 
man glaubte nun in der Rückkehr zum Dorismus das Heilmittel 
zu erkennen. Die vorausgegangene krankhafte Ueberfeinerung liess 
nun wie auch in der politischen Umwälzung das Derbe, Rohe als 
das Gesunde erkennen. Man wollte nicht blos Antike, sondern die 
archaischen Formen derselben, und da man im Aegyptischen eine 
Vorstufe des Griechischen suchte, so spielte man gerne sogar ägyp- 
tische Motive herein. Sonst machten die Doktrinäire für Vitruv 
Propaganda, indem sie zu der Anschauung geneigt waren, dass die 
von ihm gegebenen Formen- und Proportionsreglements zuverlässiger 
seien als die classischen Vorbilder Athens. Man mochte etwa wähnen, 
Vitruv's Canon beruhe auf älteren Grundlagen, als sie am Parthenon 
sich aussprachen, und glaubte namentlich  worin man sich nicht 
ganz im Unrecht befand  dass dessen Dorismus, welchem in der 
Ausführung etwa der Tempel von Cori am analogsten erscheint, 
in jener altitalischen Bauweise wurzele, in der auch die älteren 
Werke Roms gebaut worden waren. Anderseits hatte man sich in 
einer etwas oberflächlichen Ideenverbindung und verführt von chrono- 
logischen Verhältnissen der Ansicht zugewandt, dass die altrömische 
Architektur des Zeitalters eines Tarquinius Superbus wie der ersten 
Heroen der römischen Republik mit der zu Pästum und auf Sicilien 
in den bekannten dorischen Tempelruinen entgegentretenden zu 
identificiren sei. Da aber die Periode der Brutusse ebenso das Ideal 
des Zeitalters der französischen Revolution war, wie es während der 
Cromwell-Epoche in England die Zeit der biblischen Richter gewesen, 
so warf man sich, namentlich in Frankreich, damals viel mehr auf
        

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