Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526000
allgememe Aufmerksamkeit; die Ausführung; jedoch stiess auf die 
Schwierigkeit, dass in ganz Deutschland die Technik des Gusses in 
Vergessenheit gekommen war. Man begnügte sich daher, die Modelle 
in vergrössertem Maassstabe in Eichenholz zu übertragen und nach 
diesen (und nicht über denselben, wie man glauben möchte) das 
Werk in Kupferblech zu treiben. Die Wirkung ist überraschend: 
in der richtigen Mitte zwischen antiker Haltung und Modellwahrheit, 
in Erhebung; vom Baukörper und so wohlberechnet auf die Ansicht 
von der Entfernung; und von unten wie vielleicht keine andere 
Schöpfung der Art in der Neuzeit erscheinen sie als das erfreulichste 
Werk des damaligen Berlin seit Schlittens Tagen. Um so befrem- 
dender ist daher das Missverhältniss, in welchem die übrige gleich- 
falls nach Schadoiws Skizzen, zum Theil jedoch unter Einwirkung 
des Malers Rode hergestelllrv Auszierung des 1795 vollendeten Thores 
entgegentritt. Namentlich die Metopen lassen kaum ahnen, welche 
Kluft der Künstler seit seiner Schulzeit bei Tassaert übersprungen, 
und gehören noch grösstentheils der zopiigeit Antike an. 
Bilit minderem Glücke debütirte der Künstler in dem eigentlichen 
Felde seiner 'l'hätigkeit, nachmaligen Berühmtheit und folgenreichen 
Styleigenthümlichkeit, nemlich der Portratsiatue. Schon während 
der Ausführung der zwei beschriebenen Idealmonumente war die 
Herstellung eines würdigen Denkmales des grossen Königs stets die 
brennende Frage in der Kunstwelt gewesen. 1791 waren zahlreiche 
Entwürfe zu einem solchen in der Berliner Ausstellung zu sehen: 
von den Malern Rode, Frisch, Cuningham und Carstens, von den 
Bildhauern Tassaert, Meil, Bettcober, Bardou, Melzer, Wohler, Rentz 
und Schadow, welcher letztere allein sieben Entwürfe lieferte, endlich 
von Architekten ausser einer [lnzahl von Pyramiden, Obelisken und 
Säulen besonders von Langhans und Gilly. Doch die Qual der 
Wahl liess die Sache, die gleichwohl der König zuvder seinigen ge- 
macht hatte, nicht sofort zur Entscheidung gedeihen und die Pro- 
vinzialstadt Stettin sollte der Hauptstadt den Rang ablaufen. Schadow 
hatte das Standbild modellirt, das 1793 dort in Marmor aufgestellt 
wurde. Da der Künstler selbst damit unzufrieden war, dürfte eine 
abfällige Beurtheilung" desselben nicht als Gehässigkeit erscheinen. 
Schadow brannte vor Begierde, die Scharte in Berlin wieder gut zu 
machen: doch sollte diess nicht mit dem Königsmonument geschehen. 
Denn die von ihm gelieferte Reihe von Zeichnungen und Modell-
        

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