Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525987
Antikenstudien gemacht, dass es ihn auch nicht in Verlegenheit 
bringen konnte, zunächst mit Darstellungen aus dem idealen Gebiet 
betraut zu werden. Es war damals eben der natürliche Sohn 
Friedrich Wilhelms II., der achtjährige Graf von der Mark gestorben 
1787). Die einflussreiche Mutter desselben, Madame Bitz, geb. Enke, 
nachmalige Gräfin Lichtenau, hatte den König beredet, seinem Lieb- 
ling ein sumtuoses Grabmal zu bestimmen und an den alten Tassaert 
war der betreffende Auftrag ergangen. Noch herrschte in Berlin die 
ganz verrottete alte Schule, und die Verkommenheit der Mehrzahl 
unter den Vertretern des Meissels musste die Kunst selbst nur um 
so verächtlicher, ein grösseres Unternehmen aber, das des Zusammen- 
wirkens mehrer Hände bedurfte, fast unausfiihrbar machen. Scha- 
dow giebt einzelne Züge aus dem damaligen Künstlerleben. Ein an- 
geblicher Chevalier des Werder, Bildhauer von geringem Talent, fröhnte 
der Schlemmerei in dem Grade, dass er neben einem Ballsaal wbei 
dem Schalle von Trompeten und Paukena starb. Wetschernik, 
wein Gemisch von Genie und Taugenichtse, war dem Branntwein 
ergeben, so dass er später in einem Ghausseegraben wergessen 
wurdea, d. h. wohl einen ähnlichen Ausgang fand. Schlott aus 
Bayern dankte Gott auf den Knien, gemacht zu sein wie Voltaire. 
Die meisten Gehilfen waren Franzosen, wEscamoteurs , Spieler, 
lüderlich und Ratifere. Andere, vielleicht solidere Leute waren alt 
und Wenig brauchbar. 
Mit ähnlichen Kräften war Tassaert an die ihm übertragene 
Arbeit gegangen, die nach des Malers Puhlmann Idee ein Schluss- 
stein der Zopfkunst zu werden versprach: der geflügelte Hippenmann 
sollte den sich sträubenden Kleinen in eine Grotte zerren, auf deren 
Felsstücken die drei Parzen, die als alte Hässlichkeiten darzustellen 
waren, kauern sollten. Das Werk war jedoch noch nicht weit vor- 
geschritten, als Tassaert 1'788, der ungewohnten Anstrengung er- 
liegend, starb. Nach einigem Schwanken zwischen Trippel und dem 
jungen Schadow fiel die Wahl auf den letzteren als Nachfolger Tas- 
saert's in Stellung und Auftrag, und mit dessen Rückkehr zogen seit 
Schlüter's Tode zum erstenlnalc wieder gesunde plastische Grund- 
sätze in Berlin ein. Davon scheint jedoch das Bewusstsein in 1naass- 
gebenden Kreisen nicht allzurege gewesen zu sein, denn die Absicht 
war, dass der Puhlmann-Tassaerfsche Entwurf beibehalten werden 
sollte. Es fehlte nicht an Schwierigkeiten, diesem die einem Scha-
        

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