Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722681
die man sich in einem schönen Verhältnifs zu der grofsen Propyläen- 
Faeade zu denken hat, mündete eine prächtige Marmortreppe, welche in 
der ganzen Breite der Propyläen auf dem allmälig ansteigenden Felsboden 
der Akropolis angebracht war und von der noch eine Anzahl Stufen er- 
halten ist. In der Mitte der 'l'reppe war auch hier ein breiter Fahrweg 
angelegt. Dieser war mit grofsen Marmorplatten bedeckt, welche man 
mit rinnenartigen Vertiefungen ausgemeifselt hatte, um den oben erwähnten 
Wagen bequem emporlühren zu können. Neuere Ausgrabungen haben auch 
den unteren Theil der Treppe, sowie das zwischen zwei Thürmen liegende 
Eingangsthor (b) zu Tage gefördert, Welches letztere allerdings erst aus 
spätrömischer Zeit herrührt. 
17. Nachdem wir in der vorhergehenden Abtheilung diejenigen Ge- 
bäude kennen gelernt haben, die dem Cultus dienten und gleichsam das 
ideale Bedürfnil's der Griechen zu befriedigen hatten, wenden wir uns zu 
denjenigen Bauten, die durch äußerliche, materielle Bedürfnisse hervor- 
gerufen, den praktischen Zwecken des Lebens zu dienen hatten. 
Unter diesen nehmen die Mauern den ersten Platz ein. WVie wir 
schon oben bei Gelegenheit der heiligen Orte und namentlich der Tempel- 
bezirke erwähnt hatten, dafs dieselben durch feste Mauern umschlossen 
und gegen alles Profane abgegrenzt gewesen seien, so ist zu bemerken, 
dafs derartige Schutzwehren und Schutzmaucrn bei allen festen Nieder- 
lassungen, mit denen die Geschichte der Griechen beginnt, zu den ersten 
und unumgänglichsten Bedürfnissen gehörten. Es bestätigen dies die zahl- 
reichen Ueberreste alter Städte-Anlagen in Hellas, wie in der Peloponnesos. 
deren Mauereinfassungen zu den ältesten und ursprünglichsten Erzeugnissen 
griechischer Bauthätigkeit gerechnet werden müssen. Die Griechen selbst 
pflegten diese meist kolossalen und mit einem für spätere Zeiten kaum 
begreiflichen Kraftaufwand hergestellten Bauten als das Werk der Kyklopen 
zu bezeichnen, jenes mythischen Riesengeschlechts, das aus Lykien ein- 
gewandert und namentlich bei dem Bau der Mauern von Tiryns betheiligt 
gewesen sein sollte. Neuerdings dagegen pllegt man derartige Anlagen 
als pelasgische zu bezeichnen, indem man dieselben als Werke des pelas- 
gischen Volksstammes betrachtet; eine Ansicht, die ihre Bestätigung darin 
zu finden scheint, dafs derartige Denkmäler zumeist an solchen Orten 
vorkommen, die ursprünglich von jenem Volksstamme in Besitz genommen 
waren. In Athen wurden die ältesten Theile der Mauern, welche zur 
Befestigung der Akropolis dienten, ausdrücklich pelasgische genannt und 
ihre Erbauung den Pelasgern zugeschrieben, die einst dort ihren Sitz ge-
        

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