Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722627
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Tempelbezirke. 
Portale. 
schmückt ist (Fig. 42). Zu Athen fand Stuart einen achteckigen Altar, der 
mit Blumengewinden, Stierschädeln und Opfermessern verziert ist (F ig. 43). 
Ein runder Altar aus weifsem Marmor mit einer ähnlichen Verzierung und 
mit einem kleinen Aufsatz versehen, ist auf der Insel Delos gefunden wor- 
den (Fig. 44). Kostbares Tempelgeräth, wie Leuchter, Schalen oder kleine 
Weihgeschenke, wurden auf Tischen aufgestellt, wie dies unter Anderem 
aus einer unter Fig. 45 mitgetheilten Terracotta hervorgeht. 
16. Den höchsten Glanz aber entfaltete die griechische Baukunst da, 
wo innerhalb eines bestimmten den Göttern gewidmeten Raumes mehrere 
Tempel errichtet wurden, so dal's theils durch den Gegensatz verschiedener 
Gebäude, theils durch das harmonische Zusammenwirken derselben ein 
Eindruck von Gröfse, Pracht und Schönheit hervorgerufen wurde, den 
man sich heut zu Tage nur sehr schwer vergegenwärtigen kann, der aber 
in der Tbat Alles zusammenfassen mufste, was das Gemüth der Griechen 
zu frommer Andacht, zu heiterem Genufs und zu dem frohen Stolz eines 
erlaubten Selbstgefühls erheben konnte. Es sind uns mehrere solcher 
heiligen Orte bekannt, die sich auf diese Weise zu Mittelpunkten griechi- 
schen Lebens erhoben haben. Man denke nur an Olympia mit seinem 
heiligen Haine Altis, in Welchen eine kaum zu übersehende Fülle hau- 
lieher und bildlicher Monumente zusammengedrängt war, und wo die zu 
Ehren des Zeus gefeierten Spiele die Schönheit, Kraft und Gewandtheit 
der griechischen Jugend bekundeten, die dann ihrerseits wieder der künst- 
lerischen Darstellung die herrlichsten Vorbilder und den reichsten Anlafs 
darboten. Aehnlich haben wir uns die heiligen Bezirke anderer F estorte 
zu denken, in denen nicht selten noch Wettkämpfe in Musik, Gesang und 
Dichtkunst zu den gymnastischen Uebungen hinzutraten, die in Olympia 
den Hauptgegenstand der Festfeier ausmachten. Auch wo dies nicht der 
Fall war, liebte man es, mehrere Heiligthümer zusammen zu bauen. In 
Girgenti sieht man noch jetzt die Tempel in einer Reihe auf einer dem 
Meere zugewendeten Anhöhe liegen; in Selinunt bilden dieselben zwei 
Gruppen auf zwei Hügeln, und in Paestum scheinen die drei daselbst er- 
haltenen Tempelruinen ebenfalls einer Tempelgruppe angehört zu haben. 
WVerfen wir zum Besehlufs dieser Schilderung noch einen Blick auf 
einige solcher Tempelbezirke, die aus den Ruinen erkennbar sind, so be- 
darf es zunächst wohl kaum einer Bemerkung, dafs auch die Eingänge 
in einer der Heiligkeit und Schönheitsfülle des Ortes selbst entsprechenden 
Weise ausgestattet werden mufsten. In der Bildung dieser Eingänge mufste 
sich die Bedeutung des Raumes, zu dem sie hineinführten, schon erkennen
        

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