Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729459
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ein Halsgeschmeide anlegen, sondern nur in den üblichen einfachen weifsen 
Trauerkleidern erscheinen. Diese Ceremonie währt sieben Tage, während 
welcher Zeit täglich die kaiserlichen Leibärzte an das Bett herantreten, 
gleich als ob sie den Kranken besuchen wollten, und erklären dann jedes- 
mal, dafs es stündlich mit demselben schlechter gehe. Lautet nun endlich 
der ärztliche Ausspruch dahin, dafs der Kaiser gestorben sei, so wird 
die Bahre von den vornehmsten Rittern und jüngeren Senatsmitgliedern 
durch die Via sacra nach dem alten Forum getragen und hier auf einem 
treppenartig erbauten Gerüst niedergesetzt. An der einen Seite desselben 
ist eine Schaar junger Patricier, auf der anderen eine Anzahl vornehmer 
Frauen aufgestellt, welche Hymnen und Paeanen zu Ehren des Verstor- 
benen nach einer ernsten und traurigen Melodie anstimmen. Nach Been- 
digung dieses Gesanges wird die Bahre wieder aufgenommen und auf den 
Campus Martius hinausgetragen. Hier erhebt sich an der breitesten Stelle 
auf einer quadratischen Basis ein aus gewaltigen Massen von Balken er- 
richteter Holzbau in Gestalt eines Hauses, das im Innern mit dürren Rei- 
sern angefüllt, von aufsen aber mit goldgesticktcn Teppichen, elfenbeiner- 
nen Standbildern und mannigfachen Bildwerken bekleidet ist. Das unterste 
etwas niedrigere Stockwerk dieses Baues zeigt dieselbe Form und Zierathe 
wie das obere und ist mit geöffneten Fenstern und Thiiren versehen, und 
über diese beiden erheben sich noch mehrere andere pyramidalisch nach 
 oben zu sich gipfelnde Etagen (Fig. 534). Den 
F1g.534.     
 ganzen Bau konnte man fughch mit den zur 
   Sicherung der Schifffahrt an den Häfen ange- 
  brachten Leuchtthürmen (gpoigot) vergleichen. In 
   dem zweiten Stockwerk wird die Bahre nieder- 
Ö)  Ei gesetzt und um dieselben werden Gewürze, Räu- 
"22  4  cherwcrk, wohlriechende Früchte und Kräuter 
  aufgeschüttet Ist nun en R" h k f- 
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 gehauft und der ganze Raum damit erfullt, so 
reihet sich die gesammte Ritterschaft im Parade- 
schritt um den Bau herum und führt einige-militärische Evolutionen aus. 
Hierauf folgen in gleicher Ordnung Wagen mit in Purpur gekleideten und 
maskirten Personen, welche historische Persönlichkeiten, wie z. B. berühmte 
Feldherrn und Könige, darstellen. Nach Beendigung dieser Ceremonien 
ergreift der Thronerbe eine Fackel und wirft sie in das Gebäude, und 
von allen Seiten wird darauf Feuer hineingeschleudert, welches, durch die 
brennbaren Sißffe lllld die Masse des Räucherwerkes genährt, bald den 
ganzen Bau ergreift. Da nun schwingt sich aus dem obersten Stockwerk, 
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