Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729447
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Die Consecration. 
ein mit einem Leichenmahle verbundenes Opfer (novemdialia, feriae no- 
vemdiales). An den Stufen, auf denen sich das Monument erhob, wurde 
ein einfaches Todtenmahl (epulae funebires), bestehend aus Wasser, war- 
mer Milch, Honig, Oeliund Blut der Opferthierc, niedergelegt; bei Grab- 
mälern von gröfserer Ausdehnung befand sich aber ein besonderes tri- 
clinium funebre (vgl. S. 451), in welchem das Mahl abgehalten wurde. 
Natürlich gestattete die beschränkte Räumlichkeit der mit Denkmälern dicht 
besetzten Nekropolen nur die Anwesenheit einer kleinen Personenzahl. Ver- 
mögende pflegten daher, besonders wenn sie mit der Todtenfeier noch 
Leichenspiele verbanden, Flcischvertheilungen (viscerationes) und statt 
dieser später Geldspenden an das Volk zu veranstalten. Aufser an den 
Novemdialia brachten die Hinterbliebenen aber noch an dem Jahrestage 
des Todes oder an dem Geburtstage des Verstorbenen den Manen Todten- 
opfer (parentalia) dar, während eine allgemeine Erinnerungsfeier an die 
Manen der Dahingeschiedenen (jbralia) vom ganzen Volke jährlich am 
21. Februar gehalten wurde. 
Mit bei weitem gröfserer Pracht wurde aber das Leiehenbegängnils 
des Kaisers gefeiert, besonders wenn sich demselben die Heiligsprechung 
des Kaisers (consecratio) durch den Senat anschlofs. Caesar war der 
erste, welcher durch Senatsbeschlufs als Divns Iulius unter die Götter 
versetzt und dem durch Octavian ein dauernder Cultus gestiftet wurde. 
Eine gleiche göttliche Ehre wurde dem Augustus nach seinem Tode zu 
Theil, und einer grofsen Zahl von Kaisern und Kaiserinnen bis zu Con- 
stantin dem Grofsen, deren Namen uns zum grofsen Theil durch die mit 
der Umschrift: ("ONSECRATID bezeichneten Münzen aufbewahrt sind, 
wurden durch die Servilität des Senats die Attribute einer göttlichen Ver- 
ehrung zuerkannt. Möge hier am Schlafs unseres Buches die Beschreibung 
einer Consecration nach der Darstellung Herodian's (IV, 3) ihren Platz 
finden: vEs ist bei den Römern Sitte, diejenigen Kaiser, welche Erben 
hinterlassen, nach ihrem Tode zu consecriren. Die sterblichen Reste pflegt 
man nach dem üblichen Gebrauch unter einem prächtigen Leichengepränge 
zu bestatten; das Bild des verstorbenen Kaisers wird aber in Wachs 
nachgebildet und vor dem kaiserlichen Palast auf einem elfenbeinernen, 
mit goldgestickten Teppichen behängten Paradebette ausgestellt. Der Aus- 
druck des Gesichts dieses Wachsbildes gleicht dem eines Schwerkranken. 
Auf der linken Seite des Paradebettes stehen den gröfsten Theil des Tages 
über die Mitglieder des Senats in tiefen Trauergewändern, während zur 
Rechten die Damen, deren Geburt oder Verheirathung sie courfähig macht, 
ihren Platz haben; jedoch darf keine von ihnen einen Goldschmuek oder
        

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