Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729439
Die Leichenbestattung. 
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mungen über die Wahl der einen oder anderen Bestattungsart nicht 
existirten. Jeder Ort hatte eine eingefriedigte Brandstätte (ustrinum) 
(vergl. S. 450 f), oder es befand sich, wo der Raum es zuliefs und es 
polizeilich gestattet war, neben den gröfseren Erbbegräbnissen ein für 
den Privatgebrauch einer Familie bestimmtes Ustrinum. Auf diesem wurde 
der Scheiterhaufen (pyra, rogus) errichtet, dessen Höhe und Aus- 
sehmiickung sich natürlich nach dem Stande und den Vermögensver- 
hältnissen des Verstorbenen richtete. Aus Holzscbeiten und anderen leicht 
brennbaren Stoffen wurde derselbe in Gestalt eines Altars aufgeführt, 
die Bahre mit dem Leichnam auf ihn gestellt und mit wohlriechenden 
Salben, Weihrauch, Geräthen, Schmuck oder Waffen bedeckt, und der 
Holzstofs sodann von einem der nächsten Verwandten oder Freunde mit 
abgewandtem Gesichte angezündet, während die Umstehenden und die 
Klageweibcr von neuem eine Conclamatio erhoben. 
War der Scheiterhaufen niedergebrannt (bustum), wurde die glü- 
hende Asche mit Wein gelöscht, und unter Anrufung der Manen des 
Verstorbenen sammelten die Anvcrwandten, nachdem sie die übliche 
Waschung der Hände vollzogen hatten, die Gebeine in dem Schurz ihrer 
Trauergewänder (Ossilegizom). Mit Wein und Milch wurden sodann die 
Ueberreste besprengt, man trocknete sie mit Linnentüchern und verschlofs 
sie, mit wohlriechenden Stoffen vermischt, in eine Graburne (ossa con- 
dere), welche später in die Grabkammer übertragen wurde (componere). 
Der letzte Scheidegrufs wurde hierauf von den 'Anwesenden dem Todten 
mit den Worten: vlzalve anima candidas, oder: vterra tibi levis sitzt, 
oder: wmolliter cubent ossas nachgesandt, und nach Vollziehung der 
üblichen Lustrationen trennte sich die Versammlung der Leidtragenden. 
Zweifelhaft ist es freilich, wo die Urne während der Zeit bis zur Vollen- 
dung des Grabmals aufbewahrt wurde, sobald nicht bereits ein Familien- 
begräbnifs vorhanden war, und 0b bei der Beisetzung der Urne noch eine 
besondere Feierlichkeit stattgefunden habe. Solche Urnen (urna, olla os- 
suaria), meistentheils in Gestalt von Hydrien oder, wie meistentheils in 
etruskischen Gräbern, in Form von Aschenkisten und mit einem Deckel 
verschlossen, finden sich häufig in den auf S. 101 ff. beschriebenen Grab- 
kammern, in den Columbarien (Fig. 398 ff.) und in Sarkophagen, ge- 
wöhnlich von gebranntem Thon, Travertin, Marmor, Alabaster, Porphyr, 
Bronze, seltener freilich von Glas oder aus edlen Metallen berge- 
stellt, vor. 
Wie bei den Griechen am neunten Tage nach der Beisetzung das 
zweite Todtenopfer stattfand, begingen auch die Römer an diesem Tage 
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