Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729429
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Die Leichenbestattung. 
junge Adel sich wohl mit einer geringen Zahl von Ahnenbildern be- 
gnügen mufste, eitle Emporkömmlinge aber selbstgeschalfene Ahnenbilder 
bei ihrem Leichenbegängnifs paradiren liefsen. Das hierauf folgende Pa- 
radebett wurde von den nächsten Verwandten des Verstorbenen oder auch 
von den testamentarisch freigelassenen Sklaven getragen. Seine übrigen 
Verwandten, seine Freuhde und Freigelassenen umgaben die Bahre oder 
folgten ihr in dunklen Trauergewändern, ohne jeglichen Goldschmuck. 
Erst zur Kaiserzeit, als buntfarbige Stoffe die früher allgemein übliche 
weifse Tracht verdrängt hatten, galten wenigstens bei den Frauen weifse 
Gewänder als Zeichen der Trauer. Vom Trauerhause bewegte sich der 
Zug nach dem Forum. Hier wurde die Bahre vor den Rostra nieder- 
gesetzt, und nachdem die Träger der Wachsmasken auf den curulischen 
Stühlen Platz genommen hatten, bestieg gewöhnlich ein Verwandter des 
Verstorbenen die Rednerbühne und hielt die Leichenrede (lauclat-iofeane- 
bris), in welcher er nicht nur die Verdienste des Verstorbenen, sondern 
auch die seiner Ahnen, deren Bildnisse gegenwärtig waren, berührte. 
Jener die griechischen Leichenpredigten der älteren Zeit charakterisirende 
Ausspruch Cicero's (vgl. S. 339): nnam. vnentiri nqfas habebaturß mag 
bei den Römern nicht so genau beobachtet worden sein, indem hier der 
Redner sich wohl aller tadelnden Bemerkungen enthielt. War die Rede 
beendet, so wurde die Bahre von den Trägern wieder aufgenommen, und 
der Zug setzte sich in der oben angegebenen Ordnung nach der Be- 
gräbnifsstätte in Bewegung. 
Der Leichnam wurde entweder nach der älteren Sitte in einem Sar- 
kophagl (arca, capulus) in einer ausgemauerten oder mit Steinen aus- 
gelegten Grabkammer beigesetzt, ein Gebrauch, welcher auch von einzelnen 
Patrizierfamilien, wie z. B. von den Corneliern, in späterer Zeit beibe- 
halten wurde, oder verbrannt. In letzterem Falle wurde die Asche in 
Urnen gesammelt und diese in den Grabkammern (vgl. S 77) beigesetzt. 
Sulla soll aus Furcht, dal's sein Leichnam vom Volke beschimpft werden 
könnte, die Sitte des Verbrennens (cretmatio) zuerst eingeführt haben. 
Keinesweges jedoch hörte seitdem die Beisetzung in Särgen auf, indem 
beide Arten der Bestattung, welche mit dem Ausdruck Immat-io be- 
zeichnet wurde, neben einander fortbestanden und gesetzliche Bestim- 
1 Nach einer Stelle im Plinius (hist. nat. II, 98, vgl. XXXVI, 27) fand sich in der 
Nähe von Assos in der Landschaft Troas ein Stein vor, welcher die Eigenschaft besafs, 
dal's die in Särge aus diesem Gestein gelegten Leichname in 40 Tagen mit Ausnahme der 
Zähne vollständig aufgezehrt wurden und der daher den Namen "Fleischfresser- (aarco- 
pkagos) führte.
        

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