Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729410
Die Leichenbestattung. 
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Vorstellung von der Todtenwanderung in Zusammenhang gebracht werden 
kann. Der lectus fzonebris wurde im Atrium des Hauses mit dem Fufs- 
ende dem Ausgange zu aufgestellt und daneben eine Rauchpfanne gesetzt, 
vor dem Hause aber wurden Cypressen- oder Tannenzweige als Zeichen 
der Trauer befestigt. 
Nachdem die Leiche, wie schon erwähnt, während sieben Tage aus- 
gestellt worden war, begannen die eigentlichen Vorbereitungen zum Be- 
gräbnifs. Dasselbe fand in den Vormittagsstunden statt, zu einer Zeit 
also, wo das gröfste Leben und Treiben auf den Strafsen herrschte, bei 
der Pompa mithin auf eine möglichst grofse Theilnahme von Seiten der 
Eingeladenen, sowie auf eine grofse Zahl von Zuschauern gerechnet wer- 
den konnte. Es ergingen sogar, war die Bestattung mit öffentlichen Spielen 
verbunden, durch Herolde Einladungen an das Volk, denselben beizu- 
wohnen. Ein solches öffentlich angesagtes Leichenbegängnifs nannte man 
funus inclictivunz oder auch wohl funus publicuzn, und die Formel, 
deren sich der öffentliche Ausrufer dabei bediente, lautete: vOlZus Quirvla 
leto datus est. exseqztias (L. Titio. L. ßlio) ire cui cmnmodum est, 
iavn tempus est. ollus ex aedibus efertuvne Durch den (Iissignatooc, 
dem ein accensua, sowie ein oder mehrere Lietoren zur Aufrechthaltung 
der Ordnung beigegeben waren, wurde der Zug der Theilnehmer eines 
solennen Leichenzuges vor der Wohnung des Verstorbenen geordnet. Zehn 
Tibicines, denn auf diese Zahl beschränkte das Zwölftafelgesetz die Musi- 
kanten, bildeten die Spitze des Zuges; ihnen folgten, wenigstens in älterer 
Zeit, die Klageweiber (praeficae), welche in Klageweisen Loblieder (nac- 
niae, mortualia) zu Ehren des Todten anstimmten. Hauptsächlich für 
die Unterhaltung der dem Leichenconduct zuschauenden Volksmenge be- 
rechnet war die auf die Klageweiber folgende Mimenschaar, welche theils 
ernste, auf den Verstorbenen passende Stellen tragischer Dichter recitirte, 
theils aber komische Scenen darstellte, in denen, da mitunter einer der 
Mimen die Person des Verstorbenen nachzuahmen pflegte, wohl ziemlich 
drastisch und lachenerregend die Sonderbarkeiten im Charakter desselben 
persiflirt wurden. Unmittelbar vor der Bahre wurden die zimagines ma- 
iomnz, die Wachsmasken der Ahnen des Verstorbenen (vergl. S. 555), 
von eigens dazu bestellten Personen getragen, deren historisches Costüm 
in allen Stücken, selbst bis auf die Insignien, den von ihnen dargestellten 
Persönlichkeiten entsprechen mufste. Und nicht allein die Ahnen in gera- 
der Linie iigurirtcn in diesenyZuge, sondern auch die Seitenlinicn sandten 
zur Verherrlichung der Leichenpompa ihre Ahnenbilder, was natürlich nur 
bei den weitverzweigten alten Geschlechtern möglich war, während der
        

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