Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729176
brechlichen hölzernen Nagel einschlagen, in der Absicht, dafs das in den 
feindlichen Schild eingedrungene Pilum nicht in gerader Richtung stecken 
blieb, sondern dafs dann vielmehr der hölzerne Nagel zerbrach, auf diese 
WVeise das Eisen mit dem Schafte einen WVinkel bildete, und so das Pi- 
lum, durch die Verbiegung der Spitze festgehalten, nachgeschleppt werden 
mufsteß Dieselbe YVirkung, nämlich einmal den Feind, sobald sein Schild 
vom Pilum getroffen war, schutzlos zu machen, da ihm ja durch die im 
Schilde haftende und nunmehr krummgebogene Waffe der fernere Gebrauch 
des Schildes unmöglich wurde, dann aber denselben zu verhindern, das 
auf ihn geworfene Pilum zurückzuschleudern, suchte aber Caesar auf einem 
anderen Wege zu erreichen, indem er das Speereisen, natürlich mit Aus- 
nahme der eigentlichen Spitze, weich schmieden liefs, so dafs sich nun- 
mehr das Eisen, heruntergezogcn durch die Schwere des Schaftes, krumm 
bog und aus dem getroffenen Schilde nicht entfernt werden konnte. Die 
Gesammtlänge des caesarianisehen Pilum betrug 6 Fufs, von denen 3 Fufs 
auf die Länge des Eisens und ebensoviel auf die des Schaftes kamen. 
Aehnlich in seiner Wirkung war das vom Vegetius beschriebene, in der 
späteren Kaiserzeit gebräuchliche und spiculum genannte Pilum. Diese 
Waffe hatte eine Länge von 5-1 Fufs und war mit einem dreieckigen 
Eisen von 9 Zoll bis 1 Fufs Länge bewehrt. Noch leichter, wie denn 
überhaupt die Soldaten des späteren Kaiserreiehs sich gegen den Gebrauch 
der schweren Pila der älteren Zeit auflehnten, war das 3; Fufs lange, 
gleichfalls mit einer dreikantigen Spitze von fünf Zoll Länge versehene veri- 
culum oder verutum. Auch erscheinen in dieser Zeit Speere, an deren Schaft 
eine lederne Schleife (anzentuvn) zur Erhöhung der Wurfkraft, also ähn- 
lich der 4237x1511] der griechischen Peltasten (vergl. S. 281 f. und Clarac, 
Musee II. pl. 148. No. 319), befestigt war, sowie bei einigen Truppen- 
abtheilungen mit Bleikilgeln bewehrte W7urfgesehosse (martiobarbuli, plant- 
batae), deren jeder Soldat fünf Stück mit sich führte. 
Unter den Schwertern (gladius) haben wir nach ihrer Form und 
der Zeit ihrer Einführung im römischen Heere die ältere gallische Waffe 
von der jüngeren hispanischen zu unterscheiden. Das gallische Schwert, 
von ziemlicher Länge und Schwere, ohne Spitze und nur mit einer 
Schneide, eignete sich nur zum Hiebe und wurde im Handgemenge, so- 
bald die Klinge durch einen stark geführten Schlag sich umbog, leicht 
unbrauchbar. Erst seit der Schlacht bei Cannae, in welcher die Römer 
die Wirkungen der bei weitem kürzeren, doppelsehneidigen und spitzen 
hispanischen Klingen der Punier kennen gelernt hatten, wurde das gal- 
lische Schwert von dem hispanisehen verdrängt. Für die ältere Waffe
        

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