Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729081
Jahren die Sitte aufgekommen, sich Sessel in das Theater nachtragen zu 
lassen, so erhielt sich doch die ursprüngliche Einrichtung der Cavea so 
lange, bis nach der Unterwerfung Griechenlands das erste vollständige, 
mit terrassenförmig im Halbkreis ansteigenden Sitzreihen construirte Theater 
errichtet wurde, in welchem den Senatoren der unmittelbar vor der Bühne 
gelegene Raum angewiesen wurde. Nachdem aber einmal den Senatoren, 
trotz der allgemeinen Mifsstimmilng, welche sich im Volke gegen diese Aus- 
Zeichnung kund gab, diese Plätze eingeräumt waren, folgte bald auch eine 
neue Sonderung der übrigen Sitze nach den herrschenden Rangverhält- 
nissen. Die den Senatorenplätzen zunächst liegenden vierzehn Sitzreihen 
wurden für die Ritter bestimmt, die Priestercollegien erhielten ihre be- 
sonderen Ehrenplätze, höher hinauf wurden den Frauen, abgesondert von 
den Männern, Sitze eingeräumt, das gemeine Volk aber auf die obersten 
Stufen der Cavea zurückgedrängt. Sämmtliche im siebenten Jahrhundert 
der Stadt aufgeführten Theater waren noch aus Holz erbaut und wurden 
nach ihrem jedesmaligen Gebrauch wieder abgerissen. Das erste steinerne 
Theater wurde vom Pompejus im Jahre 699 d. St. I 55 v. Chr. er- 
richtet, dem ein zweites vom Cornelius Balbus im Jahre 741 d. St. r- 
13 und in demselben Jahre ein drittes vom Augustus zu Ehren des Mar- 
cellus aufgeführtes Theater (vgl. S. 504) sich anschlossen. Alle übrigen 
Theater in Rom, deren in der Kaiserzeit Erwähnung geschieht, waren für 
die jedesmaligcn Aufführungen aus Holz eonstruirt und wurden nach Been- 
digung der Darstellungen wieder abgerissen. 
Ueber die Decorationen und Maschinen der römischen Bühne läfst 
sich fast noch weniger als über die der griechischen eine klare Anschauung 
gewinnen, und alle Versuche, welche in neuerer Zeit zur Reconstruction 
der scena mit Anschlufs an die Ruinen der Theater zu Orange und 
Aspendos (vgl. S. 507 H.) gemacht worden sind, verbreiten ein gröfseres 
Licht auf die Herstellung des baulichen Theils derselben, als auf die Weise 
der Aufstellung der Decorationen und der Flugmaschinen; hier bewegen 
sich die gewonnenen Resultate in zum Theil noch unhaltbaren Hypothesen. 
lrVie das römische Drama dem griechischen nachgebildet war, wurde auch 
die Einrichtung der griechischen Skene in Bezug auf die Decorationen von 
den Römern angenommen; wir verweisen deshalb auf die S. 322 ff. von 
uns gegebene Darstellung und fügen nur hinzu, dafs der Vorhang (aulaeum) 
auf der römischen Bühne sich nicht wie auf der unsrigen senkte, sondern 
sich aus der Tiefe hob, so dafs, wie es im Ovid heifst, von den auf 
demselben gemalten oder auch eingewebten Figuren zuerst die Köpfe und 
zuletzt die Füfse sichtbar wurden. Dieser I-lauptvorhang erhob sich am
        

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