Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728969
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SPECT oder SPECTAT (spectatus) versehenen Tesseren haben sich bis 
jetzt etwa sechszig nachweisbar echte erhaltenb   
Die Bewaffnung der Gladiatoren unterscheidet sich in ihrer Form 
wesentlich von der der Legionare. Durch eine Anzahl aufgefundener 
Gladiatorenwalfen, sowie durch Darstellungen von Gladiatoren und ihrer 
Kampfesweise, wie solche vielfach auf Wandgemälden und plastischen 
Bildwerken vorkommen, sind wir vollkommen im Stande, uns die Form 
dieser Waffen zu vergegenwärtigen. Der Helm zunächst, dessen eigen- 
thümliche Form wir aus mehreren im Museo Borbonico aufbewahrten 
Exemplaren kennen lernen, erinnert wesentlich an die Helme des Mittel- 
alters. Bei dem unter Fig. 4940 abgebildeten erhebt sich über seinen 
Scheitel ein massiver mit Bildwerken geschmückter Kamm; zum Schutz 
der Stirn und des Nackens ist derselbe mit einer breiten Krempe um- 
geben, während ein aus vier Platten bestehendes Visir, dessen untere 
beiden Platten massiv und mit getriebener Arbeit versehen, die oberen 
beiden aber, um das Durchsehen zu ermöglichen, siebartig durchbrochen 
sind, den Helm schliefst und den Kopf des Kämpfers mithin vor Hieb und 
Stich sichert. Durch ein anders geformtes Visir ist der unter Fig. 4946 
abgebildete Helm geschützt. Hier besteht das Visir aus zwei geschlossenen 
Metallplatten, in denen für das linke Auge eine runde, für das rechte 
Auge eine siebartig geschlossene Oednung angebracht ist. Aehnlich dem 
ersten ist der mit a bezeichnete Helm, welcher gleichfalls im Museo Bor- 
bonico aufbewahrt wird. Jedesfalls stellt sich aus einer Vergleichung der 
Denkmäler eine grofse Mannigfaltigkeit in der Kopfbedeckung der Gladia- 
toren heraus, zu der wohl einerseits die verschiedenen,Kampfesarten, 
andererseits das Bestreben des Lanisten, die von ihm gestellten Fechter in 
einer möglichst reichen und für den Theatereifect berechneten Weise auszu- 
stafliren, die Veranlassung gab.  Der Gladiatorenschild war entweder vier- 
eckig, oval oder die kreisrunde Parma (vgl. Fig. 499), jedoch unterschieden 
sie sich von den beim Militär gebrauchten durch ihre gröfsere Leichtigkeit 
und zierlichere Gestalt. Von ganz abweichender Form ist freilich ein im Museo 
Borbonico auf bewahrter oblonger Schild mit abgerundeten Ecken, welcher an 
seinem oberen Theile zur freieren Bewegung des Oberarmes und der Schulter 
einen besonderen Ausbug hat. Der rechte Arm und die Hand, welche des 
Schutzes eines Schildes entbehrten, wurden oftmals mit einem Riemengefleeht 
umwickelt (vgl. Fig. 499), an dessen Stelle aber auch eherne Armschienen 
traten (Fig. 494g). Je nach den verschiedenen Gattungen der Gladiatoren 
1 Vgl. darüber das Ausführlichere in der soeben erschienenen Schrift von Fr. Ritschl, 
Die Tesserae gladiatoriae der Römer. München 1864.
        

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