Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722576
Weihetempel 
Tempel zu Eleusis. 
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tiefer liegende Pandroseion hinabführtf Auf der Nordseite dagegen wird 
der Eingang in dasselbe durch eine herrliche und wohl erhaltene Pracht- 
thür gebildet, vor welcher sich eine von sechs schlanken und reich ver- 
zierten ionischen Säulen (vergl. Fig. 10) getragene Vorhalle E befindet,  
eine ebenso gefällige, als reiche Anordnung, von der die Ansicht Fig. 38 
eine Anschauung zu geben bestimmt ist. 
c) Wir beschliefsen diese Uebersicht abweichender griechischer Tempel- 
formen mit der Betrachtung des grofsen Weihetempels zu Eleusis. Alle 
bisher behandelten Heiligthümer ergaben sich als Sitze und Wohnungen 
der Gottheit, die sich in ihrem Bilde der menschlichen Verehrung darbot. 
Die griechischen Tempel waren daher auch nicht zur Aufnahme gröfserer 
Menschenmassen bestimmt, die hier gemeinsame gottesdienstliche Gebräuche 
vollzogen oder gemeinsame Erbauung suchten. Zu Gebet und Opfer war 
der Eintritt dem Einzelnen gestattet, zur Schau der prachtvollen Götter- 
statuen der Zutritt gewährt  die eigentlichen gröfsercn lieiülichkeiten 
gingen vor den Tempeln vor sich. Dagegen gab es einige heilige Gebäude, 
welche wirklich zur gleichzeitigen und dauernden Aufnahme grofser Men- 
schenmengen bestimmt waren, die sich hier zu gemeinsamer Festesfeier 
und, wie man hinzufügen kann, gemeinsamer Erbauung versammelten. 
Es gab Tempel, welche nicht blos Wohnungen der Götter, sondern auch 
Versammlungshiiuser der Gemeinde waren. Dies sind die sogenannten 
WVeihetempel (rslsdmjgza, uäyuga), die zur Feier der Mysterien bestimmt 
waren und bei denen deshalb auch ganz andere Riicksichtcn der bau- 
lichen Gestaltung eintraten. Es ist bekannt, von wie grofser Bedeutung 
die Mysterien für das griechische Alterthum gewesen sind; aus früh- 
pelasgischer Zeit herrührend, hatten sich ihre auf den Cultus der Erd- 
und Ackerbaugötter bezüglichen Lehren bis in die Blüthezeiten des grie- 
chischen Volkes erhalten, um sich mit Kunstübung jeglicher Art zu ver- 
binden und den Eingeweihten neben dem ursprünglichen Kern alter 
Geheimlehre zu gleicher Zeit Kunstgenufs und Erbauung in mimisch- 
dramatischen Darstellungen der Göttergeschichten und gemeinsamen Hymnen 
und Lobgesiingen darzubieten. Dazu waren grofse, umfassende Räume mit 
besonderen Einrichtungen nöthig, und so bietet denn das einzige uns be- 
kannte Gebäude dieser Art zu Eleusis eine von allen übrigen Tempeln 
sehr verschiedene Anordnung dar. Dasselbe ist jetzt fast spurlos ver- 
schwunden, doch haben frühere genaue Ausgrabungen einige wesentliche 
Punkte der inneren Anordnung ziemlich deutlich erkennen lassen (Fig. 39). 
Danach bestand der Tempel aus einem grofsen Viereck von 212-216 Fufs 
Länge und 178 Fufs Breite; auf der Vorderseite befand sich eine Halle 
4'3-
        

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