Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728943
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amphitheatralischeu Spiele. 
Die 
Gladiatoren. 
dieses Gesetz weniger aus Abscheu vor den Gladiatorenkämpfen selbst, 
für welche eine nicht zu tilgcnde Vorliebe bei allen Schichten der Be- 
völkerung sich nur zu sehr geltend machte, als vielmehr aus dem Gesichts- 
punkte, den ehrgeizigen Umtrieben bei der Bewerbung um ein Amt ge- 
wisse Schranken zu setzen. Nur zu bald kam dieses Gesetz in Vergessen- 
heit, und die Kaiserzeit ist überreich an diesen grausamen Schaustellungen, 
welche ad plebem placemdaizzz et mulcendanz in der verschiedenartigsten 
Weise nicht allein unter dem Schutze, sondern sogar mehrfach unter 
Selbstbetheiligung der Kaiser mit dem enormsten Kostenaufwande aufge- 
führt wurden. Augustus verordnete im J. 22 v. Chr., dafs Gladiatoren- 
kämpfe nur mit Bewilligung des Senates zweimal im Jahre und nur mit 
120 Kämpfern stattfinden sollten, eine Beschränkung, die aber Caligula 
wieder aufhob. Nicht allein paarweise, sondern massenweise (catelrvatinz) 
liefs dieser Kaiser von den Gladiatoren förmliche Trelfen aufführen. Selbst 
26 Ritter, welche ihr Vermögen durchgebraeht hatten, zwang er zum ehr- 
losen Kampf in der Arena. Von den Gladiatorenkämpfen unter Claudias, 
Nero und Domitian haben die alten Autoren hinlänglich viele, den Blut- 
durst dieser Kaiser charakterisirende Züge aufbewahrt, und selbst Traian 
liefs nach seiner siegreichen Rückkehr aus den Feldzügen an der Donau 
während der 123 Tage dauernden Festlichkeiten 10,000 Gladiatoren 
kämpfen. Commodus, von dem Lampridius sagt: vet nomina gladiatorzeziz 
recepit eo gaudio, quasi acczperet triumphalizaß, und der sich selbst als 
PTÖIYLUiS palus secutoruvn bezeichnete, trieb die unsinnige Vorliebe für die 
Gladiatorenspiele auf den höchsten Gipfel und alle Einkünfte des Staates wur- 
den zur Befriedigung der Neigungen dieses Kaisers für diese Spiele geopfert. 
Das Christenthum sogar war nicht im Stande, die Vorliebe des Volkes für 
die blutigen Spiele in der Arena ganz zu verdrängen, da die christlichen 
Kaiser in den Gladiatorenkämpfen und Thierhetzen das beste Mittel sahen, 
die Gunst des Volkes zu erkaufen und den die Sicherheit des Thrones stets 
bedräuenden Parteihals durch Nährung der Leidenschaften für die circensi- 
sehen Spiele und Gladiatorerlkiimpfe wenigstens zeitweise zu paralysiren. 
,Wie schon oben erwähnt wurden die Gladiatoren infden Schulen 
(lade), welche von Communen oder von Entrepreneurs (lanistae) gehalten 
wurden, für ihren künftigen Beruf ausgebildet und von hier aus entweder 
vermiethet oder verkauft. Wir haben also ein Analogon zu den oben er- 
wähnten dovnini factionunz, unter deren Leitung die Wagenlenker fir die 
circensischen Spiele unterwiesen wurden. Solche Privatgladiatorenschulen 
und Gladiatorenbanden, mit welchen in den letzten Zeiten der Republik 
die Vornehmen sich zu umgeben pflegten, gab es an vielen Orten des rö-
        

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