Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728899
Wahnsinn gesteigerte Lust an den Circusspielen (insemia et furor circi) 
rief in der Kaiserzeit zwei neue Parteien ins Leben, die grüne und blaue 
(factio prasina und veneta), zu denen sich unter Domitian, jedoch nur 
vorübergehend, eine fünfte und sechste Partei, eine goldene und purpurne 
(aurea und purpurea) gesellten. Etwa am Ende des dritten Jahrhunderts 
unserer Zeitrechnung verbanden sich die vier älteren Factionen in der 
Weise, dafs die albata zur prasina, die russata zur eeneta übertrat und 
die blaue und grüne Partei die dominirenden wurden, ohne dal's jedoch 
die weifse und rothe zu existiren aufgehört hatten. In diese vier Farben 
gekleidet erblicken wir die Wagenlcnker auf der unter Fig. 493 abgebil- 
deten Mosaik aus Lyon. In Ermangelung einer farbigen Copie sind hier 
die Farben der Tuniken nach der in der Heraldik gebräuchlichen Bezeich- 
nung durch verschiedene Schattirungen angedeutet: die schrägen Striche 
bedeuten die grüne, die wagrechten die blaue, die senkrecht gestellten die 
rothe Farbe, während die nicht schattirten Gewänder weifs sind. Wäh- 
rend nun in Rom wohl nur die Wagenlenker oder diejenigen Personen, 
Welche die WVagen und Pferde lieferten, also die Magistrate und der Kaiser, 
die Parteien bildeten und sich durch Farben kennzeichneten, traten in 
Byzanz, wo Constantin in dem bereits von Severus angelegten Hippodrom 
den Factionen (555400) besondere Sitze einräumtc, alle diejenigen, welche 
sich durch Geldbeiträge an den Spielen bethciligten, diesen Corps bei 
und nahmen hier den Charakter politischer Genossenschaften an, welche, 
je nachdem die eine oder andere Partei die mächtigere war und die Kaiser 
sich zur blauen oder grünen bekannten, mehr als einmal den Hippodrom 
zum Schauplatz ihrer mörderischen Kämpfe machten. Bekannt ist jener 
Kampf im Hippodrom unter Anastasius im Jahre 501, bei dem mehr als 
3000 Bürger ihren Tod fanden; noch denkwürdiger aber jener mit dem 
Namen der Nika-Empörung bezeichnete Aufstand der Parteien zu Con- 
stantinopel unter der Regierung Justinian's im Jahre 532, bei welchem 
nach dreitägigem Gemetzel der Kaiserthron nur durch die germanischen 
Kerntruppen unter Belisar's Commando gerettet wurde, 30,000 Menschen 
ihr Leben einbüfsten und die herrlichsten Gebäude der Stadt in Asche 
gelegt wurden.  Die Lenkung der für diese Rennen bestimmten Wagen 
hatten in alten Zeiten Bürger übernommen, während später für dieses Ge- 
schäft, welches, wenn auch nicht ehrlos, wie das des Gladiators und Schau- 
spielers, doch für einen Freigebornen unehrenhaft war, theils Sklaven, theils 
Freigelassene ausgewählt wurden; dieselben hatten, bevor sie öffentlich 
auftreten durften, eine tüchtige Schule durchzumachen, in welcher sie mit 
der Dressur der Pferde und dem Wagenlenken vertraut gemacht wurden.
        

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