Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728792
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die äufsere Erscheinung des Opfernden auch der Reinheit des Gewissens 
und der Keuschheit des Sinnes entsprechen. Nur mit reinem Körper, in 
festlichen, gewöhnlich weifsen Gewändern durfte der Opfernde sich dem 
Altar nahen; rein mufste das Opfergeräth und das Opfer selbst sein, und 
jegliches Profane, jegliche Störung, sei es durch Worte oder Handlungen, 
mufsten fern gehalten werden, da eine Unterbrechung als böses Omen 
angesehen wurde; daher der Zuruf: vfavete linguise beim Beginn der 
Handlung, und aus diesem Grunde begleitete auch ein Flötenbläser auf 
den Tönen seines Instruments dieselbe (vgl. Fig. 492), wie dies die Dar- 
stellung eines Stieropfers auf einer Thonlampe zeigt (Passerius, Lucernae 
fict. I, 35). Hier erblicken wir auf der rechten Seite eines vor einem 
Tempel aufgestellten Altars den Priester nebst dem das Weihrauehkästchen 
tragenden Opferdiener, links den Opferschlächter mit dem Beile, im Vorder- 
grunde mehrere gebundene Stiere am Boden und hinter dem Altar den 
auf der Doppelflöte blasenden Tibicen. Stehend und die Hände zum östlichen 
Himmel emporstreekcnd verrichtete der Betende sein Gebet zu den himm- 
lischen Gottheiten. In dieser Stellung der Adoranten zeigt sich auf einem 
Basrelief eine Frau, Welche, gefolgt von ihren Kindern, vor einem Haus- 
altar ein Opfer vollzieht (Zoega, Bassiril. Vol. I. Tav. 18). Bei Opfern 
für die chthonischen Gottheiten hingegen berührte man die Erde mit den 
Händen, und bei den supplicatiovzes oder Bufs- und Bittfesten, welche 
zur Abwendung eines drohenden Unglücks oder zur Erzielung eines gün- 
stigen Erfolges angestellt wurden, pflegte man kuieend zu beten; die 
Frauen erschienen bei diesen Bufsgebeten mit aufgelöstem Haar. Nicht 
aber, wie bei den Griechen, unbedeckt, sondern verhüllt, indem man die 
Toga schleierartig über den Hinterkopf in die Höhe zog, verrichtete der 
Römer das Opfer, und nur bei denjenigen Culten, welche aus Griechen- 
land nach Rom eingeführt waren und die ein griechisches Ritual erfor- 
derten, opferte man nach griechischem Ritus (graeco ritu) unbedeckt.  
Die Opfergaben waren in der ältesten Zeit unblutige: die Erstlingc der 
Früchte, Mehl oder Schrot von Spelt mit Salz vermischt, 911010 Salsa 
genannt, Milch, Honig, Wein und Opferkuchen wurden damals dargebracht, 
Thiere hingegen erst zur Zeit der letzten Könige. Bei den Opferthiercn 
unterschieden die Römer im Allgemeinen die victevnae von den hostiae, 
oder Rinder und kleinere Thiere, welche je nach den heiligen Vorschriften 
der einen oder anderen Gottheit genehm waren. Vor dem Opfer wurden 
die Thiere genau untersucht, ob sie makellos wären, und alsdann von 
dem Opferdiener ( popa) vor den mit Kränzen und Guirlanden geschmückten 
Altar geführt, wobei es als ein lmglückliches Vorzeichen galt, wenn das 
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