Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728768
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Die Priesterth 
Tlmer. 
Die Haruspices. 
Sali 
räumt. Aufser der schon oben erwähnten höchst complicirten Theorie 
der Blitzlehre, zu welcher auch die Kunst des Herabziehens der Blitze 
gehörte, hatten die Haruspices die Eingeweideschau zu einem besonderen 
System der Divination erhoben. Herz, Leber und Lunge der Thiere 
wurden auf das sorgfältigste untersucht, jede Anomalie an diesen Theilen 
beobachtet und daraus auf einen glücklichen oder unglücklichen Erfolg 
gedeutet. Wurde nun auch ihrer Kunst von Seiten des römischen Staates 
ein grofses Vertrauen geschenkt, indem bei besonders wichtigen Ereignissen 
etruskische Haruspices nach Rom citirt wurden und dieselben sehr häufig 
die römischen Feldherrn auf ihren Feldzügen zu begleiten hatten, so stand 
doch bei den Aufgeklärten diese nur auf den crassesten Volksaherglauben 
sich stützende Zeichendeutung in sehr geringem Ansehen, wie unter an- 
deren aus dem Ausspruch Catds, dafs kein Haruspex einen seiner Collegen 
ohne zu lachen ansehen könne, deutlich hervorgeht. 
Das fünfte Priesterthum bildete das Collegium der Salier, dessen 
Einsetzung auf Numa zurückgeführt wurde. Der Sage nach sollte zu 
Numa's Zeiten ein besonders gestalteter Schild (ancile) aus dem geöffneten 
Himmel zur Erde gefallen sein, und habe der König, um denselhen vor 
Entwendung zu schützen, eilf ebenso gestaltete Schilde durch einen Künstler 
Mamurius anfertigen lassen und zu ihrer Bewahrung auf dem palatinischeil 
Hügel ein Collegium von zwölf Priestern, Salii genannt, bestellt. Das 
Ünwahrscheinliche, welches diese Sage über die Einsetzung dieses Priester- 
thums enthält, geht schon daraus hervor, dafs neben diesen latinischen 
Saliern, welche ihre Heiligthümer auf dem Palatin hatten, ein zweites, 
ebenso altes, sabinisches Saliereollegium auf dem quirinalischen Hügel be- 
stand. Vielmehr haben wir uns beide Collegien, von denen das palatinische 
sich dem Dienste des Mars, das quirinalisehe dem des Quirinus sich ge- 
weiht hatte, als die Repräsentanten des uralten Cultus des Mars zu denken, 
welchen die Sage mit jenen Ancilien in Verbindung brachte. In dem dem 
Mars geheiligten Monat März fanden die zu Ehren des Gottes veranstal- 
teten Feste statt. In feierlichem Aufzüge, bekleidet mit der Tuniea picta, 
über welche der eherne Panzer angelegt wurde und darüber die Toga 
praetexta im gabinischen Knoten geschürzt (vergl. S. 574), auf dem 
Kopf einen Helm in Gestalt des oben beschriebenen Apex, mit dem Schwert 
umgürtet und in der Rechten eine Lanze, am linken Arm oder um den 
Hals das Ancile tragend, zog die Brüderschaft der Salier durch die Strafsen 
und führte vor jedem Heiligthum einen Walfentanz, daher salze, auf, 
wobei sie mit ihren Lanzen oder mit besonderen Stäben an die Schilde 
schlugen und alte, selbst den Priestern in späterer Zeit nicht mehr ver-
        

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