Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728740
668 
Die Priesterthümer. 
Augures. 
der Vögel waren die hauptsächlichsten Zeichen, in denen sich der göttliche 
Wille kundgab. Bei der Beobachtung der Blitze (servwre de caelo) galten 
die von links her kommenden (fulmeina sinistra) als glückliche, die von 
rechts her als unglückliche Auspicien, eine Theorie, welche jedoch je nach 
den verschiedenen Stellungen, die der Augur beim Auspiciren einnahm, 
mannigfache Ausnahmen zuliefs. Bekanntlich war die etruskische Blitz- 
lehre eine im höchsten Grade ausgebildete. In ihr wurde das templuinz in 
sechszehn Regionen getheilt, und aus der Richtung jedes Blitzstrahls, aus 
seiner Farbe und Wirkung, sowie aus der Jahreszeit verstanden die etrus- 
kischen [Iaruspices mittelst ihrer Geheimlehre eine Deutung zu geben. Die 
Blitzlehre der Auguren hingegen war bei weitem einfacher; während bei 
den Etruskern eilf Kategorien von Blitzen angenommen wurden, classili- 
cirten die Römer dieselben nur in solche, die am Tage und solche, die 
zur Nachtzeit erschienen. Erst zur Kaiserzeit fanden die etruskischen 
Blitztheorien eine allgemeinere Verbreitung unter den Römern, während 
früher dieselben nur in einzelnen Fällen, namentlich bei den Sühnungen 
derjenigen Orte zur Geltung kamen, welche vom Blitze getrolfen waren. 
Ebenso nämlich, wie der Todte bestattet und die Manen gesühnt werden 
mufsten, erforderten die Sacralvorschriften auch eine Bestattung und Süh- 
nung des einschlagenden Blitzstrahls. In Form eines ummauerten Schachtes, 
dessen Wände ähnlich einem olfenen Brunnen über den Boden ragten 
(daher auch die Bezeichnung eines solchen Baues mit dem Namen puteal), 
wurde das Blitzgrab angelegt und mit der Inschrift fulgua condztunz ver- 
sehen. Als Sühne wurde aber an der Stelle ein zweijähriges Opferthier 
geschlachtet, weshalb diese Stätte auch bidental genannt wurde. Ein 
solches Puteal hat sich noch in Pompeji in Form eines runden, auf acht 
dorischen Säulen ruhenden Unterbaues erhalten, Auch 
Fig-489- auf einem Denar des Scribenius Libo (Fig. 489), welcher 
 die Umschrift PVTEAL SCRIBON. trägt, erblicken wir 
 E ein solches mit Lyren, Lorbeerzweig und Zange! ge- 
g schmücktes Puteal in Gestalt eines Altares. Scribonius 
 Libo war nämlich vom Senat beauftragt worden, die 
 Stelle, wo der Blitz eingeschlagen hatte, aufzusuchen und 
hatte im Atrium des Minervatempels dieses Puteal errichtet.  Bei der 
Vogelschau (signa ex avibus) unterschied der Augur die Vögel in solche, 
welche durch ihre Stimme (oscines), und solche, welche durch ihren Flug 
(alites) ein Zeichen gaben. Zu ersteren gehörten der Rabe, die Krähe, 
l Auf-einer Goldmünze der Aemilia Scribonia trägt das Pnteal statt 
Hammer. Cohen, Desrr. gän. des monnaies de 1a räpublique rom. pl. l. 
der 
einen 
Zange
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.