Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728661
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Die Priesterthümer. 
Die Pontiiices. 
mit dem Bau und der Erhaltung jener ältesten, die beiden Tiberufer ver- 
bindenden Holzbrücke in Verbindung gebracht wird (vergl. S. 403) bil- 
deten zur Zeit der Könige ein Collegium von vier Priestern, welchen der 
König in eigener Person als oberster Priester Vorstand. Diese ursprüng- 
liche Mitgliederzahl des Collegium erhielt sich bis zum Jahre 300 v. Chin, 
wo durch ein Plebiscit der Volkstribunen Q. und Cn. Ogulnius den Ple- 
bejern ihre Aufnahme in die bis dahin nur von Patriciern besetzten Prie- 
sterämter durchgesetzt wurde, und von da ab vier Patricier und eine 
gleiche Zahl Plebejer dieses Collegium, mit einem aus ihrer Mitte ge- 
wählten Oberpriester, dem pontyfew mawizzzus, an der Spitze, bildeten; 
erst vom Sulla, dem Reformator vieler Priesterthiimer, wurde diese Zahl 
bis auf fünfzehn vermehrt. In der Kaiserzeit pflegte man durch einen 
Senatsbeschlufs dem Kaiser die Würde eines pontzjfex maximus zu über- 
tragen, oder es nahm derselbe sie für sich geradezu in Anspruch; so 
besitzen wir z. B. eine Statue des Hadrian in dem Pontiiicalcostüm mit 
der Opferschale in der Hand (Clarac, Musee. Tom. II. pl. 945).  
Unter den Culten, welche sich in den Händen des Collegium der Ponti- 
{ices befanden, stand neben dem des Saturnus und der Ops der der Vesta 
in erster Reihe. Neben ihrem am Forum gelegenen Tempel (vgl. S. 372, 
489) hatte auch der Pontifex Maximus in der Regia" seine Wohnung. 
Ebenso aber, wie der Heerd im Atrium des Hauses den Mittelpunkt bil- 
dete und hier das Heiligthum der Penatcn und Laren sich befand, an 
dem das Oberhaupt der Familie das Opfer für das ganze Haus vollzog 
und vonden Jungfrauen die Flamme auf dem Heerde erhalten wurde, 
war, da die staatliche Organisation sich nur als eine Nachbildung der 
Familie darstellte, das Atrium der Vesta der Heerd des Staatsgebäudes, 
an dem die Pontitices die Stelle der Familienhäupter, die Vestalinnen die 
der Jungfrauen am häuslichen Heerde vertraten. Das Collegium der Ponti- 
iices bildete mithin den Mittelpunkt der römischen Staatsculte, und als 
solcher war es auch der Bewahrer des geistlichen Staatsarchives, in 
welchem die von der Hand des Pontifex Maximus aufgezeichneten Annalen 
über Ereignisse von religiöser Bedeutung (annales mawzizni),_die Ver- 
zeichnisse über die heiligen Orte, Zeiten und Handlungen (libri Ponti- 
jiciz"), die unter dem Namen der Zeges regiae bekannte Zusammenstellung 
der ältesten Gewohnheitsrechte sacralen Inhalts, sowie die Protokolle über 
die Verhandlungen und Entscheidungen des Collegium (commentarii pontd- 
jicum), niedergelegt waren. Von diesem Collegium ging die jährliche 
Verkündigung der Staatsgelübde (aollemnia votorum nuncupatio) aus; 
bei allen sacralen Handlungen der Magistrate wurde dasselbe herangezogen,
        

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