Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722546
deren Bild auch darin aufgestellt war. Dieser Tempel hatte nun ein oberes 
Stockwerk, welches der Morpho geweiht war. Morpho aber War nach 
Pausanias' Bemerkung ein Beiname der Aphrodite. Ihr in dem oberen 
Tempel befindliches Bild war im Gegensatz zu dem unteren waffenlos, 
verhüllt und mit gefesselten Füfsen dargestellt, wahrscheinlich auf ihre 
Bedeutung als Todesgöttin hindeutend.  
Häufiger war die Theilung der Cella, wonach die beiden Räume 
neben- oder hintereinander zu liegen kamen. Eine Trennung der Cella 
durch eine der Länge nach geführte Mauer, wie etwa in einem ägyptischen 
Tempel zu Ombos, scheint von den Griechen nicht angewendet worden 
zu sein. Der Doppeltempel des Asklepios und der Leto zu Mantinea, den 
Hirt als Beispiel dieser Eintheilung anführt, kann den Worten des Pau- 
sanias zufolge (VIII, 9, 1) ebensowohl durch eine Quermauer gerade in 
der Mitte der Cella getheilt gewesen sein. 
Die eben erwähnte Eintheilung aber durch eine quer durch die Cella 
geführte Mauer ist durch mehrere andere Tempel verbürgt. So wurden 
in einem Doppeltempel zu Sikyon I-Iypnos, der Gott des Schlafes, und 
Apollon mit dem Beinamen Karneios verehrt. Das Bild des Ilypnos be- 
fand sich in dem vorderen Gemach, während das innere dem Apollon 
geheiligt war; nur den Priestern war der Zugang zu letzterem gestattet 
(Pans. II, 10, 2). 
Ein anderer Doppeltempel zu Mantinea war der Aphrodite und dem 
Ares geweiht, und Pausanias bemerkt, dafs die Cella der Aphrodite ihren 
Eingang auf der östlichen, die des Ares dagegen auf der westlichen Seite 
gehabt hätte. 
Von dieser Quertheilung eines "Tempels nun ist uns ein sehr lehr- 
reiches Beispiel in dem auf der Akropolis von Athen gelegenen Stamm- 
heiligthum der altattischen Schutzgottheiten, der Athene Polias, des Erech- 
theus und der Tochter des Kekrops, Pandrosos erhalten, welches deshalb 
auch die NamenAthene Polias-Tempel, Erechtheion oder Pandroseion 
führt. Schon in alten Zeiten lag gegenüber der nördlichen langen Seite 
des Parthenon ein Tempel, der nach einer Aeulserung Herodofs der 
Athene Polias und dem attischen I-Ieros Erechtheus geweiht war; Ol. 68, 1 
wird dem Könige Kleomenes von Sparta, der den Klisthenes aus Athen 
verjagt hatte, der Eintritt in die Cella dieses Tempels versagt, weil darin 
die eigentlichen Stammesheiligthümer der Athener sich befanden; O1. 75, 1 
brannte derselbe ab, als die Stadt im Besitz der Perser war. Es ist 
nicht unwahrscheinlich, dafs bei dem Wiederaufbau der zerstörten Heilig- 
thümer der Akropolis durch Perikles auch das Erechtheion mit in Angriff
        

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