Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728458
Die Sklaven als Handwerker. 
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101. Die mannigfachen Beschäftigungen nun, welchen die Sklaven 
im Hauswesen oblagen, sei es, dal's sie als Handwerker oder in gelehrter 
Thätigkeit sich nützlich machten, befähigten sie auch, nach ihrer Frei- 
lassung, diese Beschäftigungen zu ihrem Beruf zu erwählen, und so finden 
wir das Handwerk, aufser in den Händen der Aerineren aus der Plebs, 
vorzugsweise in denen von Freigelassenen und Sklaven. Die oben an- 
geführte Ansicht Cicero's über das Handwerk, in welche mit derselben 
Mifsachtung auch andere römische Schriftsteller einstimmen, sprach sich 
aber auch in der staatlichen Stellung des Handwerkers aus, indem derselbe 
mit wenigen Ausnahmen nicht zum Legionsdienst zugelassen wurde. Der 
römische Handwerkerstand glich nicht den kernigen Zünften des deutschen 
Mittelalters, die, wenn der Feind ihre Vaterstadt bedrohte, mannhaft zu 
den Waffen griffen und mit ihren Leibern Freiheit, Rechte, Habe und Gut 
vertheidigten; er war vielmehr eine feige, zur Vcrtheidigung des eigenen 
Heerdes untaugliche Volksmasse, im eigentlichen Sinn der ewig unruhige 
Strafsenpöbel, die faex urbana, wie Cicero ihn bezeichnet. So erzählt 
Livius, dal's, als im Jahre 426 d. St. der Consul L. Aemilius Mamercinus 
ein Heer zum Kriege gegen die Gallier in aller Eile aufbringen rnufste, 
er sich gezwungen sah, dasselbe aus dem Handwerkerstande, einer zum 
Kriegsdienst gänzlich unbrauchbaren Gesellschaft, zu recrutiren (quin 019i- 
jicum guogue vulgus et sellzolarii, minime wvilitiae iclozzeunz genus, ew- 
citi cliczmtur). Selbst den Emporkömmlingen aus dem Handwerkerstande 
klebte noch stets ihre oder ihrer Vorfahren niedrige Beschäftigung wie 
ein Makel an, wie unter anderen von Livius dem durch die Schlacht bei 
Cannae bekannt gewordenen Consul Terentius Varro seine Abstammung 
aus einer Schlächterfamilie vorgeworfen wurde. Ebenso verfolgten die 
Epigrammatistcn diejenigen Handwerker, welche durch Speculation sich 
emporgeschwungen hatten und nach Art ächter Parvenus mit ihren Reich- 
thümern einen lächerlichen Aufwand, z. B. durch Anstellung von Gladia- 
torenspielen zu Bologna und Modena, trieben, mit bitterem Spott. 
Schon frühzeitig hatten die Handwerker sich zu Innungen (oollegia 
opcßcum) constituirt, eine Einrichtung, die auf den König Numa zurück- 
geführt wurde, nämlich in die neun Collegien der Flötenspieler, Zimmer- 
leute, Goldschmiede, Färber, Lederarbeiter, Gerber, Kupferschmiede und 
Töpfer; die neunte Zunft aber vereinigte anfangs alle übrigen Gewerke, 
welche in späterer Zeit nebst so manchen neu entstandenen zu besonderen 
Collegien zusammentraten. Solche neu gebildeten, vorzugsweise auf In- 
schriften erwähnten Innungen waren z. B. die Goldschläger, Bäcker, Purpur- 
färber, Schweinehändler, Schiffer, Fährleute, Aerzte u. a. m. Ueber die
        

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