Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728433
stellen, fand durch diese Gemeinsamkeit im Verkehr ein gewissermafsen 
vertrauliches Verhältnifs, eine Anhänglichkeit statt, die später wohl nur 
in vereinzelten Fällen vorgekommen sein mag. Als aber der Luxus der 
späteren Zeiten mit der Einfachheit der alten Sitten auch die Sklaven aus 
der Nähe des Herrn verbannte, erhielten diese in täglichen oder monat- 
lichen Raten (clemensunz) die zum Leben nothwendigsten Nahrungsmittel 
zugemessen, und war dieses Mafs nicht gerade ein kärgliches, so konnte der 
Sklave sich aus seinen Ersparnissen, welche er seinem Munde abgedarbt 
hatte, ein kleines Vermögen (peculiune) für seine Loskaufung sammeln, 
auf welches der Herr jedoch keinen Anspruch machen durfte. Welche 
Entbehrungen aber mufste sich der Sklave auferlegen, wollte er nicht 
anders durch Diebstahl diese Loskaufssumme aufbringen, wie wurde sein 
Langmuth zur Erduldung aller jener raffinirten Strafen, welche selbst für 
geringe Vergehen ihm zuerkannt wurden, auf die Probe gesetzt, wie mufste 
sich der Stolz eines freien Mannes, welcher auf dem Schlachtfelde mit den 
Waffen in der Hand in die Gewalt übermüthiger Sieger gefallen war, gegen 
solche rohe Behandlung auf lehnen. Daher der gewaltige Zulauf, den jener 
von einer Gladiatorenbande angestiftete Sklavenaufruhr von allen Seiten 
fand, daher der verzweifelte Kampf dieser ausgestofsenen Menschenclasse 
gegen ihre Peiniger. Viel Analoges bieten die Verhältnisse in den Skla- 
venstaaten Amerikäs mit den Zuständen jener Zeiten. Gleiche Bedingungen 
haben gleiche Erscheinungen in der Neuzeit hervorgerufen, und die Ver- 
nichtungskämpfe der Schwarzen gegen ihre weifsen Unterdrücker sind nur 
eine Wiederholung jener blutigen Sklavenaufstände im alten Rom. Liest 
man von den Ketten, Halseisen und Handschellen, von dem Holzklotz, 
den die unglücklichen Schwarzen oft wegen geringer Vergehen mit sich 
fortschleppen müssen, so ruft uns dies unwillkürlich die an römischen 
Sklaven vollzogenen Strafen ins Gedächtnifs. Mit den compedes an den 
Beinen gefesselt, durch welche ihr Entweichen unmöglich wurde, mit Hals- 
eisen (collare) und Handschellen (manica) wurden die Widerspenstigen 
in die zu diesem Zweck auf den Landgütern angelegten unterirdischen 
Casematten (ergastulum, pistrinum) geschickt und zu harter Frohnarbeit 
in den Steinbrüchen angehalten. Die Prügelstrafe mit dicken Stöcken, 
Ruthen oder Peitschen (fustis, eirga, mastiw) gehörte zu den gewöhn- 
lichen und ebenso das Tragen der furca, eines gabelförniigen Instruments, 
in welches der Nacken eingeprefst wurde und an dessen beiden nach vorn 
vorstehenden Schenkeln die Arme gefesselt wurden, ganz ähnlich also dem 
noch heut von den Menschenjägern des Sudan beim Transport der Sklaven 
gebrauchten Instrumente. Flüchtigen und diebischen Sklaven wurden an
        

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