Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728428
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Die 
Sklaven. 
einen besonderen Beamten, den dispensator, und dem atriensis blieb seit- 
dem nur die Oberaufsicht über die Ordnung und Reinlichkeit im Hause. 
Der ceZZa-rius oder pvmmus endlich führte die Schlüssel zu den Vorräthen 
der Küche und des Weinkellers. Alle diese letztgenannten Hausofiieianten 
wurden als ordinarii bezeichnet. 
Eine wichtige Stelle nehmen bei gebildeten Römern schliefslich die- 
jenigen Sklaven ein, welche als Vorleser (lectores oder anagnostae) wäh- 
rend der Mahlzeit, während des Bades oder zu anderen Tageszeiten fun- 
girten, oder Dictirtes niederschrieben, Abschriften besorgten und der 
Hausbibliothek vorstanden. Diesen schliefscn sich endlich die Aerzte und 
Chirurgen an, welche vor der Kaiserzeit wenigstens zum gröfsten Theil 
dem Sklavenstande angehörten oder doch aus demselben hervorgegangen 
waren. Alle diese Beschäftigungen werden wir am Schlufs des folgenden 
Abschnittes mit Hülfe der Monumente noch näher beleuchten. 
Was die Stellung der Sklaven betrifft, so war dieselbe bei den Rö- 
mern eine durchaus andere, als bei den Griechen. Während bei den 
Griechen der Sklave seinem Herrn gegenüber in einem durch das Gesetz 
geschützten Verhältnifs stand und das Züchtigungsrecht, geschweige denn 
das Recht über Leben und Tod, durch gesetzlich vorgeschriebene Be- 
stimmungen innerhalb gewisser Grenzen gehalten wurde, war in Rom die 
Stellung des Sklaven eine bei weitem härtere. Hier konnte der Herr über 
seinen Sklaven als eine zu seinem Eigenthum gehörige Sache nach seiner 
Willkür verfügen, und dem Sklaven stand kein Rechtsschutz gegen die 
Launen und die Grausamkeit seines Gebieters zur Seite. Dieses durch 
den schroffen Charakter der römischen Aristokratie stets aufrecht erhaltene 
Verhältnifs fand nur da eine Milderung, wo einerseits die Nachsicht und 
humanere Denkungsart des Herrn, andererseits die Brauchbarkeit eines 
Sklaven eine Annäherung zuliefs. Bei der Menge von Individuen, bei der 
Verschiedenartigkeit ihres Charakters und der Nationalitäten, aus denen 
eine gröfsere Sklavenfamilie zusammengesetzt War, ITIOChtG der Besitzer 
vielleicht nur die kleinere Zahl derselben kennen, während die gröfsere 
Menge, vorzugsweise die auf den Landgiitern beschäftigten Arbeiter, seiner 
speciellen Aufsicht entzogen war, und hier mag denn oft so manche 
harte Züchtigung selbst für geringe Versehen auf Antrieb hämischer Sklaven- 
vögte durch den Mund des Herrn dictirt worden sein. In älteren Zeiten 
freilich, als noch die zum Haushalt selbst des Reicheren gehörige Diener- 
schaft, neben dem Fufsende des Lagers ihres Herrn auf niedrigemBänken 
(subsellia) sitzend, das einfache Mahl mit der Familie theilte, alsider Herr 
sich nicht scheute, mit dem Pfluge in der Hand selbst den Boden zu be-
        

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