Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728418
Die Sklaven. 
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ihn stets da sein zu lassen, wo es viel Geld und recht viel einfältige 
Leute gäbe (örrov 0311 i, dtdövaz xagrmii ptäv oirpßoviav, ipgsvaiv dä 
oirpogiav), charakterisirt hinreichend diese Menschenclasse. 
Kehren wir nun zu den eigentlichen Haussklaven zurück. Warf schon 
das Halten einer solchen Sippschaft von Dienern eben kein günstiges Licht 
auf die sittlichen Zustände im Innern der Häuslichkeit der vornehmen 
Römer, so müssen wir uns mit noch gröfscrem Abscheu von der Unsitte 
abwenden, dafs man von der Natur an Körper und Geist gleich vernach- 
lässigte, ja sogar durch künstliche Mittel verkrüppelte Wesen (moriones, 
fatml und fatuac) hielt, um sich an ihren blödsinnigen Streichen zu er- 
götzen und sie zur Zielscheibe des Witzes zu machen. Eher zu ver- 
zeihen mochte wohl die Sitte sein, Zwerge (nani und mmae) unter die 
Sklavenschaar aufzunehmen. Man lehrte sie fechten und tanzen, und 
mögen ihnen, als besonderen Lieblingen der Damen, wohl so manche 
losen Streiche ungestraft hingegangen sein. Ein solcher Favoritzwerg der 
Iulia, der Enkelin des Augustus, war unter anderen Canopas, ein Kerl- 
chen von nur zwei Fufs und einer Palme. Selbst die Kunst hat sich 
nicht gescheut, diese Mifsgestalten nachzubilden. Zwei zu Herculanum 
gefundene Bronzestat.uetten, krüppelhaft gebildete Gestalten mit dicken 
widerlichen Köpfen und veranstalteten Leibern, die eine in tanzender Be- 
wegung die Castagnetten schlagend, die andere mit der Toga bekleidet, 
um den Hals die bulla und in der Hand eine Schreibtafel haltend, ver- 
anschaulichen uns jene Monstra. Eben solche Thersitesgestalten erscheinen 
auch auf einem herculanischen Wandgemälde in allerhand possirlichen 
Stellungen (vgl. Pitture d'Ercol. Vol. II. Tav. 91. 92). 
Diese ganze einer fa-milia angehörende Sklavenschaar stand, da es 
einerseits der Herr unter seiner Würde hielt dieselbe selbst zu beaufsich- 
tigen, andererseits auch die Menge der Dienersehaft es nicht zuliefs, unter 
besonderen Aufsehern. Die vornehmsten von diesen, denen theils die Ober- 
aufsicht über die Ordnung im Hause, die Vorräthe und die Verwaltung des 
Vermögens anvertraut war, hatten sich des besonderen Zutrauens ihres 
Herrn zu erfreuen. Zu diesen gehörte als erste Person in der familia 
der Sklaven der procurator, dem die Verwaltung des Vermögens, sowie 
die oberste Leitung aller häuslichen Gescbäfteioblag. Als Rechnungsführer 
fungirte vorzugsweise auf den Landgütern der actor, dem, wenn er von 
der Landwirthschaft keine Kenntnifs besafs, ein praktischer Landwirth in 
der Person des vilicus zur Seite stand, während in der villa urbana der 
atriensis, der Hausbofmeister, in der älteren Zeit wenigstens daseRechnungs- 
wesen besorgte. Die spätere Sitte verlangte aber auch für dieses Geschäft
        

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