Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728314
Das Ballspiel. 
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spiel erhalten hat. Mehrere Spieler, deren rechter Unterarm mit einem 
mit stumpfen Spitzen besetzten Holzring bewehrt ist, stellen sich in ziem- 
lieh grofsen Distanzen von einander auf; von einem der Spieler wird so- 
dann ein grofser Ball bis zu einer bedeutenden Höhe emporgeschleudcrt, 
während den Gegenspielern die Aufgabe zufällt, denselben, bevor er die 
Erde berührt, ohne ihn mit den Händen aufzufangen, im Fluge mit jenem 
Armringe zu pariren und dem ersten oder einem anderen der Mitspieler 
zuzuschleudern; ein die Muskelkraft und Gewandtheit der Theilnehmer 
ebenso förderndes, als für den Zuschauer höchst interessantes Spiel. Dieses 
war vielleicht jenes von den Römern mit expulsim Zudere bezeichnete 
Ballspiel, welches sich, wie so manche andere Spiele aus dem Alterthum, 
auf spätere Generationen fortgeerbt haben mag. Zwischen dem Follis und 
der Pila stand als dritte Art des Balls die paganica, ein mit Federn ge- 
füllter Ball, über dessen Anwendung wir aber nicht näher unterrichtet 
sind. Konnte nun das Spiel mit diesen Bällen von zwei oder einer gröfseren 
Anzahl Personen ausgeführt werden, so bedingte das als trigon oder pila 
trigonalis bezeichnete Ballspiel, wie schon der Name sagt, nur die Zahl 
von drei Theilnehmern, welche, wenn sie einige Uebung besafsen, die Bälle 
mit der linken Hand zu werfen und aufzufangen hatten. Eine unbestimmte 
Zahl von Mitspielern aber liefs das lmrpastzem zu, welches nach den 
Worten des Athenaeus früher apawivda (vergl. S. 266) genannt wurde und 
bei dem es sehr wild herzugehen pflegte. Von einer Person wurden ein oder 
mehrere Bällc in ziemlich gerader Richtung in die Höhe geworfen, und 
jeder der in seiner Nähe postirten Mitspieler suchte denselben aufzufangen, 
ein Spiel, welches ja auch bei unserer Jugend noch üblich ist. Für alle 
diese Spiele war der Ballspielplatz bestimmt, welcher eben nach dem 
beliebtesten und dem am häufigsten auf ihm gepflegten den Namen vSphae- 
risteriumß erhalten hat. Einen Blick in solches Sphaeristerium gewährt 
uns das unter Fig. 263 abgebildete Wandgemälde aus den Thermen 
des Titus, welches wir an jener Stelle zur Veranschaulichung des grie- 
chischen Ballspiels mitgetheilt haben. Dafs übrigens, wie bei uns, die 
Strafsen und öffentlichen Plätze in Rom, vorzüglich der Raum vor den 
Tabernen der Fleischer auf dem Forum, von jugendlichen Ballspielern als 
improvisirtes Sphaeristerium benutzt wurden, wird mehrfach bezeugt. 
100. Der in früheren Abschnitten bereits mehrfach geschehene Hin- 
weis auf den bürgerlichen Verkehr veranlafst uns, auf die dem Erwerbe 
zugewandten Beschäftigungen der Römer in und aufser dem Hause, soweit 
dieselben zunächst mit dem Begriff des Handwerks zusammenfallen, näher 
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