Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728301
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Gymnastik. 
Die 
Das Ballpiel. 
unmittelbare Vorschule zum Kriegsdienst betrachtet werden können, näm- 
lich im Werfen mit dem Discus, im Gebrauch der Halteren, in Fecht- 
übungen mit einem hölzernen Schwerte gegen einen Pfahl (palus, stipea), 
eine Uebung, welche auch von älteren Personen häufig vor dem Bade 
getrieben wurde, in Ringkämpfen und im Lauf. Wurden nun auch diese 
nach griechischem Schema ausgeführten Uebungen von der römischen Jugend 
fort und fort geübt, so trug doch der Agon bei den römischen Festspielen 
einen durchaus ungriechischen Charakter, indem nicht das Streben nach 
xaloxayaäia (vergl. S. 243), sondern das Vergnügen das leitende Mo- 
ment war. Nicht selbstthätig, wenigstens nur in seltenen Fällen, sondern 
als Zuschauer sich daran betheiligend, liefsen sie durch Athleten von Pro- 
fession Prohestücke ihrer Virtuosität ausführen, und wie sehr auch in der 
Kaiserzeit das Bestreben sich geltend machte, den griechischen Agon in 
allen seinen verschiedenen Richtungen zur Verherrlichung römischer Feste 
zu Ehren zu bringen, so trug dasselbe doch stets den Charakter- einer 
eitlen, auf Elfect berechneten Schaustellung, welche zur Befriedigung der 
zügellosen Schaulust des römischen Volkes von handwerksmäfsig einge- 
schulten Athleten-Corporationen ausgeführt wurde. Diesen Charakter 
trugen auch die Ringkämpfe, welche auf den mit den Kaiserthermen ver- 
bundenen Ringplätzen aufgeführt wurden. Eingeschulte Fechter waren es 
hier, welche ihre Leistungen zur Unterhaltung der in den Thermen An- 
wesenden zum Besten gaben, während der vornehme Römer es vorzog, 
leichtere, eine heilsame Bewegung, verbunden mit einer angenehmen Zer- 
streuung, bezweckende Leibesübungen vorzunehmen. Zu dem Zwecke war 
man auch bei dem Baue jedes gröfseren Privathauses auf die Anlage eines 
Sphaeristerium bedacht und verband gleichfalls mit den Thermen ähnliche, 
bald offene, bald bedeckte Hallen, in denen man vordem Bade sich an 
mannigfachen leichteren gymnastischen Uebungen, vorzugsweise aber an 
dem bei Jung und Alt beliebten Ballspiel ergötzte. 
Auf S. 264 ff. haben wir ausführlich über das Ballspiel der Griechen 
gesprochen, so dal's wir in Bezug auf das bei den Römern übliche nur We- 
niges hinzuzufügen haben. Mit drei Arten von Bällen wurde gespielt, näm- 
lich mit dem follis, einem grofsen mit Luft gefüllten Ballon, mit der pila 
und paganica. Der Ball wurde in die Höhe geschleudert, von den Mit- 
spielern mit den Händen aufgefangen und zurückgeworfen, ein Spiel, wel- 
ches man mit dem Ausdruck datatinz Zudem bezeichnete. Eine andere 
Art des Spiels war das expulsim lude-re, über dessen Erklärung mannig- 
fache Vermuthungen aufgestellt sind, das sich aber vielleicht in einem noch 
heutzutage unter den jungen Männern in Oberitalien gebräuchlichen Ball-
        

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