Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728297
Das Bad. 
Die Gymnastik. 
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zu einem Modebade zu machen. Dorthin strömte daher Alles zusammen, 
was auf guten Ton nach den laxen Begrilfen spätrömischer Zeiten An- 
spruch machte. Tanz, Jagden, unerlaubtes Spiel, Völlerei und Unzucht 
waren hier an der Tagesordnung, kurz man warf hier jede daheim durch 
die Sitte vielleicht noch gebotene Fessel ab und überliefs sich so manchen 
Freuden, deren Genufs von den Sittenrichtern allerdings eine herbe Mifs- 
billigung zu erfahren hatte. Bajae war der Sitz des Lasters; ein deiner- 
soriunz vitiorznn, wie es der strenge Seneca bezeichnet, und der Ton, den 
Bajae im grofsartigcn Mafsstabe angab, mag sich im kleineren wohl in 
vielen anderen römischen Badeorten wiederholt haben. 
Der Erweiterung der eigentlichen Thermen durch anderweitige An- 
lagen haben wir bereits gedacht. Da, wo der Platz es zuliefs, wurden 
nämlich dieselben mit besonderen Räumlichkeiten verbunden, welche für 
körperliche Uebungen vor und zum Lustwandeln und für gesellige Unter- 
haltung nach dem Bade bestimmt waren. Auf dem unter Fig. 419 nieder- 
gelegten Grundrils der pompejanischen Thermen sehen wir unter II einen 
auf drei Seiten mit bedeckten Umgängen eingeschlossenen Hof, deren zwei 
durch Säulengänge, der dritte dagegen durch eine überwölbte und durch 
grofse Fenstern erhellte Halle gebildet werden. Dieser Raum bot zum 
Umherwandeln (anabulatlio) nach dem Bade, der an denselben sich an- 
schließende Saal (Fig. 419 I) aber zur Conversation hinlänglichen Raum. 
Für körperliche Uebungen vor dem Bade finden wir hier zwar keine L0- 
calität, wohl aber in dem unter Fig. 421 mitgethcilten Grundrifs der 
grofsen 'l'hermenanlagen des Caracalla, in denen auf Ephebeen, Conisterien 
und Räume für die Zuschauer der Ringkämpfe Bedacht genommen worden 
war. Leichte körperliche Uebungen, welche die Muskeln stärkten und 
Gewandtheit und Grazie bezweckten, gehörten zu den Lieblingsbeschäfti- 
gungen der Römer, und nicht allein die Jugend tummelte sich wacker auf 
den für die Uebungen bestimmten Plätzen, sondern auch der gereifte Mann 
verschmähte -es nicht, an diesen Uebungen theilzunehmen, es traf sogar 
denjenigen scharfer Tadel, der nicht täglich einige Zeit diesen Leibes- 
übungen gewidmet hätte, und nur körperliche Gebrechen oder gelehrte 
Beschäftigung, wie unter anderen beim Cicero, konnten die Nichttheilnahme 
entschuldigen. Schon frühzeitig hatten die Römer von den Hellenen die 
Gymnastik angenommen, nie jedoch hatte jene mit dem griechischen Volks- 
charakter so eng verknüpfte edle Agonistik imter ihnen tiefe Wurzel ge- 
schlagen, nie war dieses Institut hier zu solcher Blüthe gediehen, wie bei 
den Griechenß Die mannigfachen von der römischen Jugend getriebenen 
Leibesübungen bestanden vorzugsweise aus denjenigen, welche als eine
        

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