Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728273
rifs abgebildeten Thermen von Veleja und Pompeji zeigen, vereinigten beide 
unter demselben Dache, aber in getrennten Räumen, die Bäder für beide 
Geschlechter. Die Unsitte jedoch, dafs Männer und Frauen gleichzeitig 
dieselben Räume zum Baden benutzten, und diese dadurch zum Tummel- 
platz der unerhörtesten Ausschweifungen wurden, war während des Ver- 
falls der Sitten ziemlich allgemein geworden, und mehrfach wiederholte 
Verbote, welche zur Herstellung der Zucht von den Kaisern erlassen wur- 
den, vermochten nur für kurze Zeit dem Unwesen zu steuern. Ehrbare 
Frauen vermieden daher wohl meistentheils diese öffentlichen Thermen; 
boten doch die mit allen gröfseren Wohnungen verbundenen Privatbäder 
hinreichend Gelegenheit zum Baden. 
In dem Mafse nun, in dem sich die Hinneigung zum Luxus in allen 
übrigen Lebensverhältnissen geltend machte, stiegen auch die Anforderungen 
an die innere Einrichtung der Bäder. vJetzt hält man sich", sagt Seneca 
von den Baderäumen im eigenen Hause, vfür arm und gering, wenn 
nicht die Wände der Badezimmer von grofsen und kostbaren Marmortafcln 
erglänzen, wenn nicht zwischen alexandrinischen Marmorsäulen gemalte 
nurnidische Steine angebracht sind und der Marmor derartig künstlich 
zusammengefügt ist, dafs man wirkliche Gemälde zu sehen glaubt, wenn 
nicht ganze Gemächer mit Glas ausgelegt sind, wenn nicht mit Steinen 
von Thasos, die man früher nur selten in Tempeln sah, unsere Bassins 
eingefafst sind, in denen wir unsere durch starkes Schwitzen entkräfteten 
Körper waschen, und wenn nicht das Wasser aus silbernen Hähnen spru- 
delt"; und der Uebermuth der römischen Damen ging zur Zeit des älteren 
Plinius soweit, dafs manche derselben kein Badezimmer betreten hätte, 
wenn es nicht mit Silber ausgelegt war. Dieser im eigenen Hause schon 
im kleineren Mafsstabe getriebene, Luxus wurde natürlich bei der Anlage 
jener riesigen Thermen, deren Entstehung in die Kaiserzeit fallt, bis zu 
einer fast an das Unglaubliche grenzenden Verschwendung getrieben und 
in denselben Alles vereinigt, was einmal auf die geistige Erheiterung des 
Gemüthes fördernd einzuwirken, vorzugsweise aber dem zum sinnlichen 
Genufs hinneigenden Römer die mannigfachste Unterhaltung zu gewähren 
vermochte. Daher wurden die Thermen der Sammelplatz der eleganten 
Welt und in ihnen verbrachte der Römer einen grofsen Theil des Tages 
im geschäftigen Nichtsthun. Was zunächst die zur Kaiserzeit angelegten 
öffentlichen Thermen in Rom betrifft, deren einstige Gröfse aus den grofs- 
artigsten Ruinen noch theilweise erkennbar ist, so haben wir die von 
Agrippa im Marsfelde erbauten bereits oben erwähnt; an sie grenzten die 
zwischen der heutigen Piazza Navona und dem Pantheon errichteten ther-
        

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