Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728243
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Bevölkerung zur Erhaltung der Gesundheit nothwendigen Reinigung des 
Körpers, ohne dal's in" ihren Anlagen gleichzeitig auch auf die zur Erhaltung 
körperlicher Gewandtheit und Geistesfrisehe später nothwendig gewordenen 
Räumlichkeiten Rücksicht genommen war. Ihre Einrichtung war daher 
gewifs eine höchst einfache: eine oder mehrere mit einander in Verbindung 
stehende Badezellen, oder ein für den gemeinsamen Gebrauch mehrerer 
gleichzeitig badender Personen bestimmter Badesaal, in den durch eine in 
der Wölbung der Decke angebrachte kleine Fensteröllnung nur ein spär- 
licher Lichtstrahl üel und das Innere in einem Halbdunkel liefs, einfache 
Steinbänke zum Ablegen der Kleidungsstücke, eine Röhrenleitung, um die 
Badebehälter mit kaltem oder warmem Wasser zu speisen, bildeten wohl 
die Ausstattung eines Bades der älteren Zeit. So mochte auch wohl die 
Einrichtung des Bades des Scipio Africanus auf seiner Villa bei Linternum 
gewesen sein, welcher Seneca bei der Vergleichung der Sitten seiner Zeit 
mit denen einer früheren gedenkt. Ueberrestc solcher älteren Bäder sind 
uns nicht erhalten, sie wurden durch ausgedehntere, den Anforderungen 
einer verweichlichteren Generation mehr entsprechende bauliche Anlagen 
verdrängt, und sämmtliche noch vorhandene Reste von Bädern, von denen 
eine Anzahl in S 80 beschrieben ist, gehören eben einer späteren Zeit 
an. In den gröfseren von ihnen sind entweder theilweise oder vollständig 
alle Localitäten vereinigt, welche als wesentlich nothwendig für ein römi- 
sches Bad erachtet wurden, und haben wir deren Benennung bereits aus 
den unter Fig. 418-422 abgebildeten Grundrissen und perspectivischen 
inneren Ansichten kennen gelernt, wenngleich sich die römische Termino- 
logie auf die in den Ruinen entdeckten Räumlichkeiten mitunter nur ver- 
muthungsweise anwenden läfst. Als charakteristisch für die Bäder der 
späteren Zeit gilt die Erweiterung der kalten und lauwarmen Wasser- 
bäder durch Schwitzbäder, sowie von Räumlichkeiten, auf welchen theils 
leichte gymnastische Uebungcn und Spaziergänge vorgenommen, theils hei- 
tere Gespräche gewechselt werden konnten. 
Was zunächst die Zeit betrilTt, zu der man zu baden pflegte, so 
war dafür gewöhnlich die 8. oder 9. Stunde, die Stunden vor der Haupt- 
mahlzeit, bestimmt. Da die Zeit der Cena aber, wie wir oben erwähnt 
haben, je nach der Berufsthätigkeit des Mannes bald in eine frühere, bald 
in eine spätere Tagesstunde liel, richtete sich hiernach auch die Zeit des 
Badens. Aus diesem Grunde waren auch die öllentlichen Bäder jedesfalls 
den gröfseren Theil des Tages über geöffnet. Mit Sonnenuntergang wur- 
den sie geschlossen, doch wurde in der späteren Kaiserzeit zu Rom das 
Baden sogar bis in die Nacht hinein ausgedehnt. Zahlreiche in den Ruinen
        

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