Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728093
Die Tracht. 
Schmucksachen. 
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förderten anzusehen, welche durch ihre gleiche Form und die gleiche Art 
ihrer Ornamentirung als zu einer besonderen Gruppe gehörig sich aus- 
weisen. Es sind dies die unter dem Namen der etruskischen bekannten 
Metallspiegel. Viele derselben, namentlich die aus Praeneste stammenden, 
wurden mit anderen zur Toilette gehörigen Geriithen in cylindrisch ge- 
stalteten und mit gewölbten Deckeln versehenen Metallbehältern aufge- 
funden, die man wegen ihrer Aehnlichkeit mit der auf Bildwerken häufig 
vorkommenden cista mystrzfca, dem heiligen Schlangenkorbe, auch als 
mystische Cisten bezeichnete. Dieser Umstand, in Verbindung mit den 
eigenthümlichen, dem Götter- und Heroönmythus zum grofsen Theil an- 
gehörenden Darstellungen, welche sich auf der Rückseite der Spiegel in 
derselben Manier, .wie auf der Oberfläche der Cista eingegraben linden, 
dann aber auch die durch den etwas umgebogenen Rand entstandene 
Aehnlichkeit der Spiegelscheibe mit der Patera war die Veranlassung, dafs 
man diese Spiegel lange Zeit für Opferschalen hielt, wogegen jedoch die 
Gestalt der römischen Pateren vollkommen streitet. Gerhards Ansicht 
aber, nach der wir in diesen Geräthen eben nur Spiegel zu erkennen 
haben, deren Anfertigung einer früheren Blüthezeit etruskischer Kunst an- 
gehört, hat gegenwärtig überall Platz gegriffen. Die Vermögcndercn besafsen 
wahrscheinlich metallene Stehspiegcl von gröfseren Dimensionen (specula 
totis oorjaozribzes paria, wie Sencca quaest. nat. I, 17 sie bezeichnet). Ob 
aber auch grofse iVandslaiegel existirt haben, ist durchaus fraglich; mög- 
lieh, dal's polirte Steinplatten, welche in die YVände eingelassen waren, 
dieselben in gewisser Beziehung ersetzten.  j 
Schliefslich haben wir noch einige Worte über die Toilettengeheimnisse 
der Römcrinnen hinzuzufügen, in welche wir durch die beifsende Satire 
alter Autoren eingeweiht werden. schonungslos sind darin alle jene My- 
sterien aufgedeckt, welche weibliche Gefallsucht schon damals erfunden 
hatte, um körperliche Mängel zu bedecken oder die durch ein zügelloses 
Leben früh verblichenen Reize wieder zu beleben. Nicht auf einzelne 
Persönlichkeiten beziehen sich diese Schilderungen, vielmehr geben sie uns 
ein Gesammtbild von der Sittenlosigkeit, in welche wohl der gröfsere Theil 
der den höheren Ständen angehörenden Frauen in der Kaiserzeit versunken 
war. Es liegt aber aufser dem Bereich unserer Aufgabe, den so reich- 
haltig in den schriftlichen Zeugnissen gebotenen Steif nach allen Richtungen 
hin auszubeuten, und so wollen wir, im Anschlufs an dasjenige, was wir 
bereits oben S. 592 f. über die lrlaarkosmetik beigebracht haben, uns auf 
die Aufführung einiger Verschönerungsmittel beschränken, welche die da- 
malige Damenwelt zur Conservation ihres Teints und zur Verbergung ver-
        

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