Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-728056
Die Tracht. 
Schmucksachen. 
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auf den Deckeln der etruskischen Asehenkisten liegenden männlichen Figuren 
hervor. Zur Kaiserzeit kamen diese massiven Armringe wieder in Auf- 
nahme, jedoch nur als Ehrengeschenke für bewiesene 'l'apferlaeit, wie dies 
aus dem in unserem Abschnitt über die kriegerischen Ehrenbezeugungen 
abgebildeten Relief eines mit Ehrenketten bedeckten Centurionen (Fig. 522) 
ersichtlich ist. 
Ohrgchänge waren bei den Römerinnen ebenso üblich, wie bei den 
Griechinnen. Wie die vielen in Pompeji aufgefundenen Exemplare ergeben, 
waren, wenigstens in der ersten Kaiserzeit, die in Form von Kugelsegmenten 
gebildeten besonders beliebt. Ohne Zweifel war bereits im Alterthume der 
Schmuck dem Wechsel der Mode unterworfen und wurde nach der gerade 
herrschenden umgebildet. Daneben erscheinen Ohrgehänge von Perlen und 
Edelsteinen, welche mittelst feiner Drahthältchen im Ohr befestigt wurden 
(vgl. Fig. 470). vZwci Perlen neben einander und eine dritte oben darüber 
machen jetzt e, wie Sencca klagt, v ein einziges Ohrgehänge aus. Die rasen- 
den Thörinnen glauben vermuthlich, ihre Männer wären noch nicht geplagt 
genug, wenn sie nicht in jedem Ohre zwei oder drei Erbschaftsmassen hängen 
hätten!" Ebenso war es Mode, eine einzelne grofse Perle (unio) im Ohr zu 
tragen. Die weifsen, der Farbe des Alauns ähnlichen Perlen waren die ge- 
schätztesten, und ihre Gröfsc, Rundung und Glätte bestimmten den Werth, 
welcher für sie gezahlt wurde. So beschenkte Caesar die Mutter des Brutus 
mit einer Perle, welche sechs Millionen Scstertien gekostet hatte, und be- 
kannt ist die Erzählung von jener Perle, welche Kleopatra in Essig aufgelöst 
hinuntertrank, deren Werth sich auf zehn Millionen Sestertien oder 584,700 
Thlr. belaufen haben soll.  
Ein gleicher Luxus wurde aber auch mit denjenigen Ringen getrieben, 
in welche geschliffene Edelsteine oder geschnittene Steine eingelassen waren. 
Die Einfachheit der älteren Zeit charakterisirte sich auch hier wiederum 
dadurch, dal's man damals nur einen einfachen eisernen Siegelring trug, 
eine von den Etrusltern angenommene Sitte, und das Andenken an diese 
Sitte erhielt sich, als schon der Gebrauch der goldenen Ringe allgemein 
geworden war, noch in manchen altrömischen Geschlechtern durch das 
Tragen und den Gebrauch eines eisernen Siegelringes. Ursprünglich galt 
das Recht, ßinßli goldenen Ring zu tragen, nur als ein Insigne der Sena- 
toren und derjenigen Magistrate, welche ihnen an Rang gleich standen, 
später jedoch auch als das der Ritter. Als aber in Folge der Bürgerkriege 
die gesetzliche Ordnung gelöst War, und viele Ritter durch den Verlust 
des Census gezwungen waren, aus dem Ritterstande auszutreten, eigneten 
sich so manche Unbefugte das jus annuli auv-ei an. Zwar wurde unter
        

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